ALSO ins ANNO

Die einen haben ein Literaturhaus, die Josefstadt hat das Anno. Wie kaum anderswo wird die junge Literaturszene hier seit vielen Jahren nachhaltig gefördert.

Eine Traube junger Menschen steht an der Ecke Lerchenfelder Straße/Stolzenthalergasse.
Ein mittlerweile gewohntes Bild vor Gaststätten, nicht nur in der Josefstadt. Der Blick durch die Scheiben des Ecklokals weckt die Neugierde. Zu sehen: Tische, auf denen Bücher und Zeitschriften liegen, ein Pult mit Sessel und Leselampe und ein Mikrofon.

„Anno“ ist der leicht zu merkende Name des Beisls, das sich dahinter verbirgt – und Einrichtung und Patina werden ihm mehr als gerecht. Über 100 Jahre ist die Kühlanlage hinter der Bar alt, und auch so mancher Gast gehört beinahe zum Inventar. Das Anno ist schon seit Jahrzehnten ein Begriff und vor allem bei Studierenden sehr beliebt. Hier mischen sich „Zuagraste“ mit Einheimischen und an manchen Abenden stehen die Gäste nicht vor dem Lokal, weil sie rauchen, sondern weil sie drinnen keinen Platz mehr finden.

Das Anno steht für Kontinuität in einer allzu vergänglichen Zeit und diese Atmosphäre zieht auch seine Besucher in den Bann. Vor rund einem Vierteljahrhundert wurden hier die ersten Literaturabende veranstaltet – aus Fadesse. Gäste waren rar und die wenigen, die die Bar besiedelten, hatten eines gemeinsam: Sie verfassten gerne Texte. Seit 2004 sind die Anno Literatur Sonntage, kurz ALSO, eine fixe Einrichtung. Seit 2013 wird hier regelmäßig auch donnerstags gelesen – und zwar im Dialekt. Der Bezirk Josefstadt unterstützt beide Lesereihen aus seinem Kulturbudget.

„Der Sonntag bleibt jung“

Den Sonntag sieht Andreas Plammer, der Vater der Literatur im Anno, als Nachwuchsschiene: „Diese Lesungen sind ein niedrigschwelliger Einstieg in die Literaturszene und der Erfolg gibt uns recht. Beispielsweise war eine der ersten Lesungen von Raphaela Edelbauer im Anno. Sie gewann 2018 den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und schaffte es 2019 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises“, erzählt der Josefstädter.

Die Literaturschiene im Anno ist genauso gewachsen wie die Literaten, die dort blutjung ihre ersten Gehversuche machten. Dialektsängerin Sigrid Horn und die Rapperin Yasmo etwa gehören zum „Team Anno“. Beide haben in den letzten Jahren die heimischen Charts gestürmt und halten dem Anno auch weiterhin die Treue. Yasmo gehört zum fixen Redaktionsteam der ALSO-Literaturzeitschrift „& Radieschen“ und Sigrid Horn betreut als Teil des Vereins der Österreichischen DialektautorInnen den Anno Dialekt Donnerstag (ADIDO).

Vereinspräsident Andreas Plammer über das Anno-Programm: „Der Sonntag bleibt jung und so ist etwa Elias Hirschl, in der Poetry-Slam-Szene kein Unbekannter, am 19. April im Anno.“ Hirschl hat mit seinem Roman „Meine Freunde haben Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt“ (erschienen im Josefstädter Milena Verlag) 2016 für Aufsehen gesorgt.

Am 31. Mai darf man sich auf den für seine originellen Textperformances bekannten jopa jotakin freuen.

Beim Dialekt-Donnerstag am 7. Mai geben sich Alex Miksch und Sigrid Horn ein Stelldichein. Miksch ist ein alter Haudegen auf Wiens Konzertbühnen; Sigrid Horn ist nicht nur Teil des großartigen „Team Anno“, sondern avancierte seit ihrem Sieg beim Protestsongcontest 2019 zu einer der gefragtesten Dialektmusikerinnen im Land.

Und was wünscht sich ALSO-Vater Plammer für die Zukunft? „Dass die Jungen so engagiert weitermachen wie derzeit. Es ist großartig, wenn man etwas aufbaut und dabei keine Nachwuchssorgen hat.“ Also – auf ins Anno!

▶ ALSO – Anno Literatur Sonntag, ab 20h annoliteratursonntag.wordpress.com

▶ ADIDO – Anno Dialekt Donnerstag, ab 20h www.oeda.at

▶ & Radieschen: Literaturzeitschrift www.radieschen-literaturzeitschrift.at

▶ Cafe Anno: 8., Lerchenfelder Straße 132 facebook