Beethoven und die Josefstadt

Anlässlich seines 250. Geburtstags sollte Ludwig van Beethoven heuer mit Pauken und Trompeten gefeiert werden. Bekanntlich kam es anders und viele Produktionen anlässlich des Jubeljahres wurden abgesagt oder in den virtuellen Raum verlegt. Nicht weniger als 35 Jahre lebte der Wahlwiener in der Kaiserstadt Wien, unter anderem auch in der Josefstadt.

Gekommen, um zu bleiben

Als der gebürtige Bonner Beethoven mit 22 Jahren zum zweiten Mal nach Wien reiste, sollte es für immer sein. Er wohnte zunächst beim Buchdrucker Strauß in der Alserstraße 30 und nahm bei Joseph Haydn Kompositionsunterricht, doch die zwei gerieten sich regelmäßig in die Haare. Beethovens Aussage „… nie etwas von ihm gelernt“ bestätigt die Animositäten zwischen den beiden Genies.

Auch mit seinen Nachbarn kam es regelmäßig zu Zwistigkeiten, weshalb er oft die Wohnung wechselte. Der Schwerhörige griff bis spät in die Nacht in die Tasten. Und auch in der Familie gab es Streit.

Familiäre Bande und Brüche

Beethovens beide Brüder kamen ebenfalls nach Wien. Kaspar Karl van Beethoven, der mit Johanna Reiß eine unglückliche Ehe führte, starb bereits 1815. Als Vormund für seinen neunjährigen Sohn Karl setzt er seinen Bruder Ludwig ein, was zu einem erbitterten Vormundschaftsstreit zwischen diesem und seiner Schwägerin Johanna führte. Im April 1820 wurde der Streit zugunsten des Komponisten entschieden.

1814 richtete Joseph Blöchinger von Bannholz im „Chotek- schen Palais in der Josephstadt“ (Josefstädter Straße) das „Neue Erziehungsinstitut für Knaben“ ein. Beethoven schätzte Blöchinger als Schüler Pestalozzis sehr und brachte den jungen Karl von 1819 bis 1822 dort unter. Um in der Nähe seines Neffen sein zu können, zog er in der Josefstadt. Vermutlich wohnte er gegenüber dem heutigen Café Eiles (damals „Kaffeehaus am Josefstädter Glacis“) in der Auerspergstraße. Belegt ist, dass er 1819 im Haus Ecke Trautsongasse/Auerspergstraße wohnte, wo er das Credo seiner „Missa solemnis“ (1818–23) komponierte, die er selbst für sein vollendetstes Werk hielt.

Nach dem Neubau des Theaters in der Josefstadt wurde das Haus 1822 mit der Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“ – komponiert und dirigiert von Ludwig van Beethoven – wiedereröffnet.

Der junge Karl versuchte am 6. August 1826, sich zu erschießen. Die Verwundung war nicht lebensgefährlich und Beethoven beschloss, seinen Neffen einer militärischen Laufbahn zuzuführen. 1832 verließ Karl den Militärdienst, heiratete und übersiedelte 1836 wieder nach Wien, wo er am 13. April 1858 in der Josefstadt starb.

„Im Himmel werde ich hören“

Ludwig van Beethoven verbrachte seinen Lebens- abend von Oktober 1825 bis März 1827 in einer Wohnung des Schwarzspanierhofs (Schwarzspanierstraße 15), damals noch mit Teilen des 8. Bezirks ab Florianigasse der Alservorstadt zugehörig. Dort ent- standen seine späten Streichquartette, allen voran die „Große Fuge“ (Op. 133), und Teile seiner unvollendeten 10. Sinfonie. Schwer erkrankt an Leberzirrhose starb Beethoven am 26. März 1827 mit den letzten Worten „Schade, schade – zu spät, leider zu spät!“, womit er die Weinlieferung meinte, die er aufgrund seines Ablebens verpassen würde.

Zeitlebens trank Beethoven billigen Weißwein, der damals oft mit Bleizucker gesüßt wurde – sein Tod steht im Zusammenhang mit einer Bleivergiftung.

Über 20.000 Menschen versammelten sich vor dem Schwarzspanierhof, um den Leichenzug zur Einsegnung in die Trinitarierkirche (Alserkirche) zu begleiten. Das Militär musste eingreifen, um eine Massenpanik zu verhindern. Sogar die Schulen wurden ihm zu Ehren geschlossen. Der Mythos Beetho- ven war geboren. An diesen Mythos erinnert noch heute ein Bronzerelief von Josef Tautenhayn, das vom Wiener Schubertbund 1927/28 gestiftet wurde – gemeinsam mit einem Relief von Franz Schubert, der 1828 zur Glockenweihe der Alserkirche den Hymnus „Glaube, Hoffnung und Liebe“ schrieb.

Beethovens Tod ist in der Sterbematrik der Alserkirche – der größten Matrikensammlung Europas – unter dem Datum 26. März 1827 mit den Worten vermerkt: „Ludwig van Beethoven, lediger Tonsetzer, zu Bonn im Reich geb., 57 Jahre alt, gest. an Was- sersucht, begraben am 29. März auf dem Gottesacker des Dorfes Währing.“

Vor dem Friedhof sprach ein Schauspieler die von Franz Grillparzer verfasste Grabrede. Grillparzer wohnte u.a. ums Eck vom Café Eiles, im heutigen Oskar-Werner-Hof.

Rund 60 Jahre später, 1888, wurde Beethoven in ein Ehrengrab am Zentralfriedhof umgebettet.

beethoven2020.wien.gv.at