Das Tröpferlbad in der Josefstadt

Das städtische Brausebad befand sich in der Florianigasse 24, gleich neben dem Eingang zum Schönbornpark und wurde am 31. August 1892 feierlich eröffnet.

Von Andrea Skvarits

… “Es sind Douchebäder, deren Speisung mit Hochquellenwasser erfolgt. Jedes Bad theilt sich in vier Abtheilungen: für Männer, Frauen, Knaben und Mädchen. Die Bäder stehen gegen Erlag von 5 Kronen jedem zur Benützung frei …“ (Neue Freie Presse, Wien, 31. August 1892, S. 2)[1]

Das Tröpferlbad erfreute sich in den folgenden Jahrzehnten bei der Josefstädter Bevölkerung großer Beliebtheit. War es doch für viele, die in Substandard-Wohnungen ohne Bad und Wasser lebten, die einzige leistbare Möglichkeit zur Körperhygiene. Erst durch die Errichtung von Badezimmern in den Privatwohnungen ging der Andrang der Besuche im städtischen Brausebad zurück.

Ende des Tröpferlbads in der Florianigasse

Bis in die 1980er Jahre wurde das Tröpferlbad noch besucht. In den folgenden Jahren immer weniger, bis das Gebäude immer mehr vernachlässigt und dem Verfall überlassen wurde. Im Jahr 1993 sahen sich die Anrainer:innen mit einer Rattenplage konfrontiert, die sich im ehemaligen Bad entwickelt hatte. Das Tröpferlbad in der Florianigasse 24 wurde im Jahr 1994 für immer geschlossen.

Mit der Schließung überlegte die Bezirksleitung, das leerstehende Gebäude als Bezirksmuseum für die Josefstadt zu etablieren. Schließlich entschloss man sich anderweitig. In den folgenden Jahren wurde das Haus aufwendig saniert. Heute befindet sich im Gebäude des ehemaligen städtischen Brausebads eine Immobiliengesellschaft sowie das Nachbarschaftszentrum Josefstadt.

Nur so ein Gedanke …

Wenn man sich die heutige Energiekrise und die enorm gestiegenen Strom- und Gaskosten vor Augen führt, ist der Gedanke eines noch bestehenden „Tröpferlbads“ nicht so abwegig.

Man würde einmal in der Woche (meistens am Samstag) mit Duschgel, Handtuch und Shampoo in die Florianigasse pilgern, um sich gründlich zu reinigen – und dabei die eigenen Stromkosten sparen. Diese „Wasch-aktion“ müsste natürlich, so wie in der guten alten Zeit, von der Stadt Wien subventioniert sein.

Es gibt noch immer zwei existierende städtische Brausebäder in der näheren Umgebung der Josefstadt, die sich reger Besucher:innenzahlen erfreuen: Das Volksbad in der Hermanngasse 24-28 wurde am 25. Mai 1910 eröffnet und fungierte als Nachfolger des allerersten Tröpferlbads in der Mondscheingasse. Es verfügt über einen eigenen Saunabereich und einzelne Duschkabinen.

Während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 wurde das Hermannbad von den Flüchtlingen im nahe gelegenen Aufnahmezentrum in der Schottengasse zweimal wöchentlich besucht.

Das zweite noch existierende Volksbad in Wien befindet sich in der Friedrich-Kaiser-Gasse im 16. Bezirk in Ottakring. Es wurde im Jahr 1977 eröffnet und ist im Erdgeschoß eines modernen Mietshauses untergebracht.

Derzeit kostet der Eintritt ins Brausebad 2,70 Euro. Für Besucher:innen, die von der Mindestsicherung leben müssen, Pensionist:innen mit kleiner Rente, körperlich beeinträchtigte Menschen und für Kinder ist das Baden gratis. Und natürlich für die Obdachlosen, die im naheliegenden Park schlafen und sich auf ihre morgendliche Dusche freuen.

Wer sind die Menschen, die ins heute noch ins Volksbad kommen?

Überraschenderweise sind das viele, weil sie zu Hause keine Dusche haben. Laut Statistik gab es im Jahr 2020 in Wien noch rund 17.500 Substandard-Wohnungen ohne WC oder Wasserentnahmestelle.

Weitere Besucher sind auch die Bauarbeiter, die direkt von der Baustelle ins Bad kommen, um sich schnell Schweiß und Staub abzuwaschen. Es kommen aber auch Leute ins Bad, bei denen gerade umgebaut oder die Gastherme getauscht wird, Leute mit Gipsbein, die nicht in ihre Badewanne steigen können oder auch Schüler:innen aus der benachbarten Schule nach dem Turnunterricht.

Das Friedrich-Kaiser-Volksbad verzeichnete 5.368 Besuche im Jahr 2021. Deutlich mehr als in den Jahren davor. Während der Lockdowns war hier Hochbetrieb. Denn als alle anderen Bäder geschlossen hatten, war das Brausebad neben nur drei anderen Bädern in ganz Wien als Teil der Grundversorgung weiter geöffnet.

Lesen Sie mehr zur Geschichte der Wiener Volksbäder“

[1] Quelle: Die Badeform der Zukunft von einst Das Alsergrunder Tröpferlbad im Zusammenhang des Wiener Volksbad-Projekts / Stefan Winterstein; Das Heimatmuseum Alsergrund, Mitteilungsblatt des Bezirksmuseums Alsergrund, Nr. 177, 45. Jahrgang / Dezember 2004


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