„Die Fährte aufnehmen“

Die Fährte aufzunehmen – egal, ob es um gesellschaftliche Veränderungen, Missstände oder politische Verirrungen geht –, das hat sich auch so manche/r Künstler*in zur Aufgabe gemacht.

So setzt sich Ina Loitzl in ihrem Atelier am Albertplatz seit vielen Jahren mit Jagd, Brauchtum und Handwerk auseinander und hält so der Gesellschaft einen Spiegel vor.

Heimat

Dort wo das Jagdzimmer
Teil des Kärntner Einfamilienhauses
Beliebtes Gästezimmer für Geselligkeit
Dort wo der Trieb Geweihe an der Wand bluten läßt
Wo in der Zirb’nstub’n Äste mit Jahresringen rangeln
Wo in der Kuch’l Schürzen
der Weibersleut’ Eitelkeit zieren
Wo im Herrgottswinkerl Stoßgebete ausgeweint

Ja dort bin ich fündig geworden:
Dort beginnt mein teures Heimatland

„Ina Loitzl stickt, näht, schneidet, klebt, malt und filmt – ganz im Sinne des Gegenstandes, der Volkskultur –, was das Zeug hält. Sie kombiniert in ihrer künstlerischen Arbeit Handwerk mit Kitsch und medialen Bildern, demaskiert Sein und Schein. Sie zeigt ein Bild, das vordergründig Lebensfreude vermittelt, aber zugleich verweist sie auf seine rigiden, einengenden Konventionen und Zuschreibungen.“ (Magdalena Felice, Museum Moderner Kunst Kärnten)

 

Ina Loitzl

Auf ihre ureigensten künstlerischen Themen angesprochen, sagt Ina Loitzl: „Ich habe mir das Jagdzimmer, die Zirbenstube, den Herrgottswinkel und die Küche als Thema ausgesucht – das Kärntner Einfamilienhaus, das ich von meiner Kindheit her kenne. Andererseits die Rolle als Frau, Mutter, Künstlerin und Mensch, der von einer Rolle zur anderen wechselt.“
Dieses Switchen gelingt Loitzl sehr gut, ohne dabei ihre Bodenhaftung zu verlieren. Vielleicht ist eines ihrer Geheimnisse, sich selbst immer wieder in ihren Kunstwerken zu inszenieren – als Frau, als Kunstinstallation, als Objekt.

Ihre Performance „Cutout Monkey“ Anfang des Jahres in der U-Bahnstation Karlsplatz, bei der sie in das Kostüm eines Gorillas geschlüpft ist, hat für viel Aufsehen gesorgt. Das Thema, „dass man es sich als Künstler auch leisten können muss, kreativ tätig zu sein“, hat sich aufgrund der Corona-Krise nochmals verschärft. Die soziale Lage vieler Kunstschaffender sei sehr prekär. „Vor allem Frauen sind betroffen, auch hier gibt es für sie eine gläserne Decke“, so Loitzl.

Hacken schlagen

Ihre Installationen, Objekte und Filme setzen sich kritisch mit Tradition, Brauchtum und Folklore auseinander und tragen Titel wie „Jägerlatein“, „Freiwild“ und „Wildwechsel“. “Haken schlagen“ wird sie weiterhin als Frau, Mutter, Künstlerin. Ina Loitzl und ihr Werk kann man beim Atelierrundgang „Im Achten herum“ (siehe Seite 6) oder bei einer der kommenden Ausstellungen näher kennenlernen.

www.inaloitzl.net
22–27/09/2020. Ehemaliges WKO-Bürogebäude
3., Rudolf-Sallingerplatz 1
PARALELL Vienna. Artist Statement. „BIG TONGUE“ – neben einer überdimensionalen Zunge zeigt Ina Loitzl erstmals Grafikcollagen, Textilobjekte, Animation und ein dort entstehendes Walltattoo mit einem Druckevent auf Haut und T- Shirt. www.parallelvienna.com