Die Öko-Heldin der Josefstadt sagt dem Müll den Kampf an

Und wir sind dabei!

Sind Sie kürzlich durch die Straßen und Gassen unserer Josefstadt spaziert? Ist Ihnen etwas aufgefallen?

Von Iva Walden

Abgesehen von den vielen schönen Ecken und der enormen Vielfalt der kulinarischen Optionen stechen mir immer wieder die unzähligen Zigarettenstummel ins Auge, die an so mancher Raucherecke den Weg in die Tschick-Röhre der MA 48 (Ascherohr im Fachjargon) nicht finden. Das ist nicht nur unschön, sondern auch ausgesprochen schädlich. Allein im Filter stecken rund 4.000 Chemikalien, 250 davon sind giftig und 90 krebserregend. Zudem sind Zigarettenstummel als Plastikmüll eine zentrale Quelle für Mikroplastik. Was man dagegen tun kann? Richtig entsorgen und nicht achtlos wegwerfen!

Zum Glück hat unsere Josefstadt auch eine passende Lösung für das Problem – im Interview mit Elizabeth Toth, Gründerin der Green Heroes Austria, mehr darüber.

Was verbindet dich mit der Josefstadt und was mit dem Thema der jetzigen Ausgabe, Nachhaltigkeit?

Ich bin seit 18 Jahren Josefstädterin. Hier bin ich zur Schule gegangen und habe daher viele schöne Erinnerungen aus diesem Bezirk. Auch unser Verein, die Green Heroes Austria, den ich 2018 gegründet habe, hat seinen Sitz in der Josefstadt.

Mit Nachhaltigkeit verbindet mich meine eigene Lebenseinstellung: der Versuch, mein Leben so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Dieser Gedanke hat mich schon sehr jung gepackt. Irgendwann in den 90er-Jahren hab ich im Fernsehen gesehen, dass Bäume für die Geschenkpapierproduktion gefällt werden. Das wollte ich nicht. Ich wollte, dass wir etwas ändern. Mein Papa hat das damals wirklich für mich umgesetzt. Es gab nicht verpackte Weihnachtsgeschenke! Da habe ich das erste Mal gemerkt, welche Macht Medien haben und wie selbstwirksam man tatsächlich sein kann.

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich für dich?

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, einen lebenswerten Planeten für andere zu hinterlassen. Es bedeutet, weniger zu konsumieren, auf Langlebigkeit zu achten, Tiere und Natur zu schützen. Es geht ganz stark darum, mit dem zufrieden zu sein, was man hat.

Ich bin der Meinung, dass jede:r von uns einen Beitrag leisten kann und soll. Wenn jeder in Österreich lebende Mensch weniger Müll verursachen würde, hätte das einen großen Impact auf die Umwelt. Wenn mir zum Beispiel jeder Mensch in Österreich einen Euro geben würde, wäre ich Millionärin, oder nicht? Genauso funktioniert es auch mit der Müllvermeidung. Gerade beim Müll kann jeder und jede Einzelne etwas Wesentliches beitragen. Gleichzeitig beeinflussen wir unser direktes Umfeld und so dehnt sich der nachhaltige Gedanke weiter aus.

Welche Verantwortung siehst du bei der Politik und den internationalen Institutionen?

Umwelt- und Klimaschutz müssen endlich wichtig genommen und nicht nur für Marketingzwecke verwendet werden. Wir brauchen klare und strenge Rahmenbedingungen und Gesetze, selbst wenn sie unbeliebt sind. Es geht hier wirklich um unser Wohl und das Wohl der kommenden Generationen!

Die Politik hat große Hebel, etwa Subventionen. Die ganze Last der Verantwortung auf die Konsumenten abzuwälzen, geht gar nicht. Natürlich haben wir mit unseren Kaufentscheidungen auch eine Wirkung, aber nicht alle können sich nachhaltiges Handeln auf regelmäßiger Basis leisten. Die Politik hat nicht zuletzt bei der Corona-Pandemie gezeigt, wie rasch und weitreichend sie handeln kann. Was beim Thema Nachhaltigkeit fehlt, ist der Wille und das gemeinsame Ziel vor Augen.

Du hast die Green Heroes Austria gegründet. Wer genau sind diese Helden, was machen sie und was ist ihr Ziel?

Die Green Heroes Austria sind ein österreichischer Umwelt- und Naturschutzverein zur Bewusstseinsförderung im Bereich Abfallvermeidung und -entsorgung. Unser Ziel ist es, die Bevölkerung über die Folgen eines verantwortungslosen Umgangs mit Abfallstoffen und eines nachlässigen Konsumverhaltens aufzuklären. Wir organisieren Workshops für Schulen und Kindergärten, aber auch Events in Form von Müllsammelaktionen, bei denen alle eingeladen sind, sich aktiv zu beteiligen.

Zwei Bilder: auf beiden mehrere Mensche in grünen Warnwesten beim Müllsammeln

Wann und wo können wir die Green Heroes in Aktion sehen?

Seit 2018 gibt es die Green Heroes schon als „Kind“ der Josefstadt. Wir verzichten bewusst auf Büroräumlich-keiten, um Ressourcen zu schonen. Daher sieht man uns bei unseren regelmäßigen Müllsammelaktionen etwa an der Donau. Für den 24. Juni 2022 haben wir in der Josefstadt einen großen Clean-up-Day geplant. Der Schwer-punkt liegt hier auf den achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln, die unsere Umwelt massiv belasten und die wenigen Frei- und Grünflächen der Josefstadt verunstalten. Hier hoffen wir auf rege Unterstützung der Bevölkerung!

Wenn sich jemand von eurer Zielsetzung angesprochen fühlt, wie kann er oder sie mitmachen? Was braucht es dazu?

Am besten, sie oder er schaut auf unsere Website. Dort finden sich alle Infos und man kann uns direkt kontaktieren. Außer dem Willen, etwas für die Nachhaltigkeit zu tun, braucht es kein besonderes Können – nur ein Herz für die Umwelt! Wenn man uns zusätzlich unterstützen möchte, kann man aber auch Mitglied werden oder einfach spenden.

Zu guter Letzt: Was können wir alle tun, um unser Leben nachhaltiger zu gestalten? Hast du ein paar konkrete
Tipps für unsere Leserinnen und Leser?

Es gibt viele kleine Schritte, die man gehen kann: den Fleischkonsum reduzieren, zu ökologischen Stromanbietern wechseln, lieber Rad und Öffis nutzen und sich bei jedem Neukauf gut überlegen, ob man das Teil wirklich braucht oder ob Ausborgen oder etwas Gebrauchtes nicht denselben Zweck erfüllen würde. Zusätzlich kann man schrittweise mehr Mehrweggeschirr und -flaschen nutzen und bewusst verpackungslos einkaufen.

Und was mir besonders wichtig ist: Müll richtig trennen und entsorgen! Plastiksackerl, auch wenn es die Bio-Dinger sind, gehören nicht in den Biomüll!

 


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