Ein neuer Blick auf unser Wirtschaften ist nötig

 – oder ein neuer Blick auf unser Glück

Im Zuge der Pandemie wurde mir unsere Perspektive auf die Wirtschaft wieder vor Augen geführt: Wir müssen die Wirtschaft retten und möglichst schnell  wiederherstellen, damit alle Arbeit und Einkommen haben.

Von Andreas Ellenberger

Den Fokus dabei auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz richten? Darüber wurde zwar gesprochen, bei den Förderungen war es aber letztlich nicht der Treiber. Das zeigt leider, wie unser System ausgerichtet ist. Es geht um Wachstum, es geht um mehr – und wir glauben, dass die Wirtschaft wachsen muss, damit es uns gut geht. Doch ist das wirklich nötig? Sind die Menschen und die Umwelt für die Wirtschaft da? Oder sollte nicht die Wirtschaft dafür sorgen, dass es Menschen gut geht und die Natur gedeihen kann?

Dieses Umdenken findet erfreulicherweise bereits statt und viele Initiativen legen den Fokus auf ein gutes und schönes Leben in Verbindung mit der Natur, das durch die Wirtschaft gefördert wird. Gemeinwohl-Ökonomie, Donut-Ökonomie oder auch Poswachstums-Ökonomie zeigen Beispiele dafür, wie wir unsere Perspektive ändern.

Welche Unternehmen und Unternehmer:innen brauchen wir?

Wir brauchen Unternehmen, die zukunftsfähig sind, die nicht bei der ersten Krise auf den Staat angewiesen sind und die fair mit Mitarbeitenden, Lieferant:innen und Kund:innen umgehen. Das ist ein Prozess, es geht nicht von heute auf morgen und selbst mittelständische Vorreiter wie das in der Lange Gasse mit einer Filiale ansässige GEA arbeiten kontinuierlich daran, sich weiter in Richtung umfassender Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Wie geht nachhaltiges Wirtschaften im Achten?

Dazu haben wir beim Josefstädter Straßenfest eine erste Umfrage gemacht – und die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit kamen zum Vorschein: die soziale Nachaltigkeit mit solidarischem Verhalten und Angeboten zur Teilhabe, die ökologische Nachhaltigkeit mit mehr Grün im Bezirk und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit mit Betrieben, die ihren Schwerpunkt auf gesunde Ernährung legen, regionale Produkte fördern, leihen und vermieten sowie Reparaturen anbieten oder sich auf biologische und nachhaltige Produkte fokussieren.

„Weihnachtsfreuden in Gefahr – weltweite Lieferengpässe bei Spielzeug“

So der Titel einer Reportage im Ersten Deutschen Fernsehen bereits im Oktober. Der Grund für das Problem: 90 Prozent der Spielwaren kommen aus Asien. Das zeigt für mich eine erschreckende Entwicklung. Braucht es wirklich ständig neue Spielzeuge aus fernen Ländern, um zu Weihnachten „Freude“ zu haben? Als nachhaltig empfinde ich das nicht. Sollten wir das Schenken nicht generell neu definieren, statt es rein mit
Konsum zu verbinden?

Wir alle kennen das: Manche Geschenke, die wir zu Weihnachten bekommen, werden selten oder nie benutzt. Wir können sie umtauschen oder weiterschenken, damit sie nicht zu Abfall werden. Nicht gewünschte Geschenke, die gute Qualität haben, könnten finanziell schwachen Familien zur Verfügung gestellt werden. Ein Tausch-Event oder ein Flohmarkt nach Weihnachten, ein „Wichteln“ oder der Weiterverkauf für einen guten Zweck: All das kann dafür sorgen, dass die Geschenke dann doch bei Menschen ankommen, die sie wertschätzen.

Nachhaltig schenken heißt bewusst schenken

Eine andere Lösung wäre jedoch, dass diese Geschenke gar nicht erst unter dem Weihnachtsbaum landen. Und da verbindet sich Nachhaltigkeit mit Achtsamkeit, denn auf das Schenken verzichten möchten wir nicht. Es bringt uns Freude, anderen Geschenke zu machen und etwas Gutes zu tun. Und die Freude ist besonders groß, wenn wir es im Gesicht der Beschenkten sehen können. Weihnachtsgeschenke sind keine Sache des Herbsts, sondern zeigen, dass wir im Lauf des Jahres darauf geachtet haben, was anderen wichtig ist. Machen wirklich die Spielzeuge selbst den Kindern am meisten Freude oder geht es um die gemeinsame Zeit, die man damit verbindet? Ich freue mich, wenn die Freude nicht durch „Ich habe das neueste Lego-Set bekommen“ ausgedrückt wird, sondern durch: „Wir haben das coolste Lego-Haus aus vielen Teilen gebaut – möchtest du an der Garage mitbauen?“

 

Nachhaltigkeitsmanager ANDREAS ELLENBERGER begeistert sich für gemeinwohlorientierte Wirtschaft und hilft Unternehmen im In- und Ausland, ihren eigenen Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu gehen. Er möchte beispielhafte Lösungen für Kreislaufwirtschaft im Achten zeigen und gemeinsame Initiativen fördern.


Ausgabe 04/2021


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