Eine Kirsche macht Pause am Uhlplatz

Jeden Tag macht sie einen ausgiebigen Spaziergang, damit sie rank und schlank wird. Das Beste an ihren Spaziergängen sind aber die Unterbrechungen dazwischen, die sie an die verschiedensten Winkel in den Wiener Gemeindebezirken führen, wie zum Uhlplatz im Achten.

von Türkan Köksal

Heute ist es schön ruhig in dieser versteckten Ecke weit weg vom Trubel am viel befahrenen Gürtel sowie Josefstädter Straße. Genau der ideale Ort zum Innehalten: Der Uhlplatz.

Die Projektgruppe Agenda Josefstadt hatte es sich vor einiger Zeit zur Aufgabe gemacht, dieses Fleckchen Erde in der Josefstadt, zu einer Art gemütlichen Begegnungszone umzugestalten. Im Zentrum vom Uhlplatz befindet sich die katholische Kirche Breitenfeld und rundherum beherbergt der Platz auch einen Kindergarten, eine Pfadfindergruppe, kleinere Betriebe und demnächst auch einen Barbershop. Die Möglichkeiten für Begegnungen mit verschiedenen Menschen gäbe es zu Genüge. Es fehlte nur an Sitzmöglichkeiten für einen ungezwungenen Plausch oder um mal auf die persönliche Pause-Taste zu drücken. Die Projektgruppe hat dafür gesorgt, dass es mittlerweile hinter der Kirche einen bedachten freien Platz mit Sitzbänken gibt.

Auf so einer Bank sitzt sie, die Augen ganz konzentriert auf ihr Smartphone gerichtet, nippt sie genüsslich an der Softdrink-Dose, eine No-Name Limonade. 330 ml Flüssigkeit äquivalent zu acht handelsüblichen Würfelzuckerstückchen. „Das gönne ich mir jetzt “, sagt sie lässig während sie die Spätsommer-sonne genießt. Sie, das ist Kiraz, 31 Jahre und bringt derzeit 71kg auf die Waage. Kiraz (türkisch), zu Deutsch Kirsche, hat seit April 18 kg abgenommen. Sie wohnt im 5.Wiener Gemeindebezirk und macht von dort aus jeden Tag mindestens 20.000 Schritte durch ihre Nachbarschaft und Anrainerbezirke. „Ich sehe zu, dass ich alles zu Fuß erledige“, erklärt die junge Hausfrau.

Kiraz hat mehrere Jahre geraucht und vor ein paar Jahren die weise Entscheidung getroffen damit aufzuhören. Die Nikotinabstinenz hatte zur Folge das mit jeder Heißhungerattacke die Pfunde auch ein leichtes Spiel hatten. Hinzu kamen noch die pandemie-bedingten Umstände, die ihren persönlichen Teufelskreis von zu wenig Bewegung in Kombination mit zu viel Nahrungskonsum noch mehr befeuert haben. „Einen Bandscheibenvorfall habe ich dann als Stopp-Schild wahrgenommen“, erklärt die junge Frau.

©Max Mitterer

Seitdem hat Kiraz eine leichte Ernährungsumstellung vollzogen und verzichtet – soweit es geht – auf Zuckerhaltiges und achtet auf ihren Wasserkonsum. Sie möchte sich aber nicht zu viel Druck machen: „Es muss alles erreichbar bleiben und sich trotzdem leicht anfühlen“.

Willst Du Dich nach dem Erreichen Deines Wunschgewichts belohnen, fragen wir sie zum Abschluss. „Ja klar“, lässt sie uns voller Vorfreude wissen: „Nur noch schöne Kleider tragen!“ Die Blätter von den Bäumen sind noch grün. Der Herbst steht vor der Tür. Wir haben keine Bedenken, dass Kiraz spätestens im Winter für einige Farbtupferl am Uhlplatz sorgen wird.


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