Einzigartig und nachhaltig

Ein Unikat ist ein Einzelstück und widerspricht der Massenproduktion, die wir normalerweise in Geschäften vorfinden.Das erwartet man bei Künstler:innen oder in der Handarbeit zu Hause, doch seltener in einer Einkaufsstraße, in der Gegenstände für den täglichen Gebrauch zu kaufen sind.

Von Andreas Ellenberger

In der Josefstädter Straße 40 gibt es das – dabei ist unik.at nicht nur eine Galerie, die über die verkauften Waren verschiedene Elemente der Nachhaltigkeit verkörpert, sondern eines der Schaufenster der Humanisierten Arbeitsstätte.

Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen

Den Verein Humanisierte Arbeitsstätte hat Dr. Hubert Vogl 1985 gegründet, um Menschen mit Behinderungen und anderen Benachteiligungen eine Möglichkeit der Mitwirkung im Arbeitsleben zu geben. Unterstützt von Berufsintegrations-Coaches werden hier berufsspezifische Qualifizierungen ebenso angeboten wie integrative kaufmännische Ausbildungen. In der Galerie selbst wie auch in der Saftbar direkt nebenan entwickeln sich Menschen und erarbeiten sich Qualifikationen für Jobs, die ihren Stärken entsprechen. In der Keramikwerkstatt und in der Tischlerei sowie im Büro in der Lange Gasse gibt es vielfältige Möglichkeiten, weitere Berufsbilder auszuüben. Insgesamt also ein breites Spektrum an Perspektiven und Aufgaben, um sich für Festanstellungen zu qualifizieren – mit viel Wirkung.

Über 85 Prozent der Absolvent:innen haben einen festen Arbeitsplatz gefunden: Für mehr als 1.000 Menschen hat die Humanisierte Arbeitsstätte eine neue Perspektive geschaffen.

Werte schaffen und wertvoll sein – sichtbar in der Galerie

Kerzen, Holzlöffel oder Keramik aus der eigenen Werkstatt waren die Ursprünge der Galerie, deren Sortiment sich mit Blick auf Nachhaltigkeit kontinuierlich entwickelt. Die verarbeiteten Materialien sind lokal und werden fast ohne Abfälle genutzt. Der Bezug zur Natur wird oft über die Produkte transportiert. Das Waldpädagogik-Spiel „Plant Planet“ oder das Memory-Spiel „Alle meine Bäume“ mit 18 europäischen Nutzholzarten bringen Kindern und Erwachsenen unsere Umwelt auf spielerische Weise näher.

Nachhaltigkeit bedeutet Kooperation. Einzelstücke von Wiener Partnerorganisationen zeigen das. Jobtransfair oder Reintegra kümmern sich ebenfalls darum, benachteiligten Menschen eine Möglichkeit am Arbeitsmarkt zu bieten. Trash-Design – eine Werkstätte, in der Langzeit-Arbeitslose Elektrogeräte reparieren – stellt auch Schüsseln aus den Bullaugen von Waschtrommeln oder Schmuck aus Platinen her.

Kunstvolle Schmuckstücke

Ein weiteres Element in der Galerie unik.at ist Handarbeit aus der Region. Rund 95 Prozent der Ausstellenden sind Künstler:innen aus Wien, ihre handgefertigten Einzelstücke sind ein sehr individuelles Geschenk. Im Gespräch mit Elisabeth Rotter und Tina Polisoidis, die in der Galerie mitverantwortlich sind, wird mir schnell klar: Kooperation und nachhaltiges Denken gelten für die interne Zusammenarbeit genauso wie für die Auswahl der Künstler:innen, das persönliche Kennenlernen ist selbstverständlich. Ein erster Kontakt entsteht oft auf regionalen Märkten, bevor die Mitglieder der Galerieleitung entscheiden, ob die Stücke ins Sortiment passen und die Menschen zu den eigenen Werten.

Die Kreislaufwirtschaft ist auch sonst ein verbreitetes Prinzip bei den Arbeitsweisen der einzelnen Betriebe – so werden zum Beispiel die Schalen der Bio-Lebensmittel aus der Saftbar für hochwertigen Kompost genutzt.

Ich stelle mir immer die Frage: Passen die Betriebe, bei denen ich einkaufe, zu meinen Werten?


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