Endlich 30!

So reiht sich auch das Atelier Karasinski in der Piaristengasse in die Liga der Topkreativen ein, die von der Josefstadt aus sozusagen die Welt erobern. „der Achte“ hat mit der Designerin und Gründerin Laura Karasinski ein sehr inspirierendes Gespräch über ihren Werdegang als junge Unternehmerin geführt. 

Laura Karasinski ist 30 Jahre jung. Vor rund zehn Jahren war sie der Shootingstar der heimischen Designszene, heute gehört sie zu den ganz großen Gestalter*innen im deutschsprachigen Raum. Sie hat viel bewegt und ist Vorbild für eine Generation junger Frauen: Denn wer schafft es schon auf das „Forbes“-Titelblatt in der Reihe der „30 unter 30“? Andererseits will die Unternehmerin mit polnischen Wurzeln als Integrationsbotschafterin in Talks Schülerinnen und Schülern Mut machen.

„Ich bin froh, endlich 30 zu sein. Es ist ein enormer Stress von mir abgefallen. Einerseits der Erfolgsdruck, andererseits will man sich ausprobieren und ist dabei noch unsicher. Heute weiß ich, was ich gut kann und dass ich nicht alles machen muss. Ich habe mittlerweile das Selbstbewusstsein und die Erfahrung zu wissen, DAS kann ich, und muss mir in vielerlei Hinsicht nichts mehr selbst beweisen“, so die 30-Jährige.

© Atelier Karasinski/Philipp Jelenska

Und was hat Sie in die Josefstadt geführt? 

„Es war im Grunde Zufall oder Schicksal, je nachdem, an was man glaubt. Ich habe mit 21 meine erste eigene Wohnung gesucht, aber auch gleichzeitig ein Atelier. Und nach einem halben Jahr vergeblicher Suche habe ich die Suchkriterien geändert und bin auf eine 150-m2-Wohnung im Achten gestoßen. Ich habe Wohnung und Büro kombiniert und so machten Größe und auch Preis Sinn – ich habe bereits vor Corona im Homeoffice gearbeitet“, schmunzelt die Designerin.

Ist Ihre Wohnung, die man ja aus den Medien kennt, ein bewusstes Statement oder einfach so passiert? 

„Wahrscheinlich beides. Auf der einen Seite war sie doch lange auch Arbeitsplatz, aber sie ist sicher mehr Wohnung als Büro – insbesondere seit ich mit meinem Atelier in die Piaristengasse gezogen bin. 80 Prozent des Interiors ist geschenkt, secondhand oder vom Altwarenmarkt. Nachhaltigkeit ist mir wichtig, man muss nicht alles ganz neu kaufen“, erklärt Karasinski, die eine Vorliebe für Traditionsmarken hat. 

Die Art-Direktorin setzt neue ästhetische Maßstäbe, was etwa die Innenausstattung von Lokalen und Shops betrifft. Darum wurde sie auch als Dozentin an die New Design University St. Pölten (NDU) eingeladen. „Es ist sehr fordernd und intensiv, junge Menschen zu unterrichten, aber es ist großartig, ihnen etwas mitgeben zu können, darum würde ich das sicher wieder tun.“

Sie sind in einer großen Wohnhausanlage in Floridsdorf, im Heinz-Nittel-Hof, aufgewachsen. Hat Sie die Architektur von Harry Glück, der als Visionär des modernen sozialen Wohnbaus gilt, beeinflusst?

„Ich stoße immer wieder auf seine Spuren, zum Beispiel bei einem Projekt mit Fotograf Stefan Oláh. Das Architekturbüro Glück ist außerdem auch in der Josefstadt. Es kann gut sein, dass unterbewusst etwas hängen geblieben ist. Ich habe mir aber sehr bewusst meine Wohnung innerstädtisch gesucht. Ich wollte nicht mehr eine Stunde fahren, um in ein nettes Lokal oder Museum gehen zu können. Junges, urbanes Leben spielt sich für mich hier ab und nicht an der Peripherie. Mein Wunsch war es auch, in einem Altbau zu wohnen, und ich kann mir gut vorstellen, immer in der Josefstadt zu leben. Das Haus hat einen Weltkrieg überlebt, ich bin fasziniert von der Geschichte und seiner Nachhaltigkeit“, zeigt sich Karasinski begeistert vom Leben im Achten.

Sie haben in Zusammenarbeit mit Archiguards das Branding und Interior Design für das Restaurant Adlerhof konzipiert. Was war hier die besondere Herausforderung?

„Wir wollten es schaffen, die Geschichte des Adlerhofs als altes Wirtshaus mitzunehmen, aber gleichzeitig ein neues Publikum gewinnen und die Location in die Gegenwart führen. Es war uns besonders wichtig, mit Wiener Traditionsbetrieben wie Thonet oder Kohlmaier zusammenzuarbeiten.“ 

Hier die ausdrückliche Empfehlung der Redaktion, ausnahmsweise die Bezirksgrenze in den Siebten zu überqueren, um den Adlerhof zu besuchen. Es werden sich neben dem hippen Publikum auch ältere Semester, die in Studienzeiten gerne in der damals noch verrauchten Gaststube ein Bier getrunken haben, im „neuen“ Adlerhof wohlfühlen. Ein wunderbares Beispiel für Laura Karasinskis Talent, historisches Ambiente und urbanes Flair gekonnt zu vereinen.

Auch im Achten gibt es Projekte „made by Atelier Karasinski“. In unmittelbarer Nachbarschaft ihres Ateliers hat die Designerin den Conceptstore Babetown gestaltet. Die bekannte Beauty-Bloggerin Julia Fodor alias Jay Rox hat diesen gemeinsam mit Katharina Hingsammer in der Piaristengasse eröffnet: „der Achte“ berichtete in der Ausgabe 1/21 unter dem Titel „Trau dich, mach es – Gründerinnen in der Josefstadt“. Julia Fodor macht gemeinsam mit drei Partner*innen gleich neben dem Babetown neuerdings auch neapolitanische Pizza – natürlich im superschicken Atelier-Karasinski-Ambiente. Die jungen Macherinnen gehören der Unternehmer*innen-Generation an, die ihre Karriere mittels Social Media sehr erfolgreich befeuern. 

Zu den Stärken von Atelier Karasinski zählen Brands. So wurde etwa das Branding für ALMA Babycare gestaltet: Die Bio-Pflegeproduktserie ist seit Kurzem gegenüber dem Amtshaus Josefstadt mit Büro und Showroom vertreten.

Und was hat das Atelier Karasinski in der Pipeline?

„Ein großes Projekt, an dem wir seit über vier Jahren gemeinsam mit Archiguards arbeiten: das Hotel & Hostel Superbude im 2. Bezirk, das von einem der Mitbegründer der 25hours Hotels betrieben wird. Es wird ein Hotel vor allem für jüngere Leute und Weltreisende, die mit ihren Kindern Wien besuchen“, so die Innenausstatterin.

Was würde Laura Karasinski gerne einmal designen?

„Auf jeden Fall einen praktischen Alltagsgegenstand wie eine Kaffeetasse oder eine schöne Türklinke. Schöne, allgegenwärtige Gebrauchsgegenstände für alle!“, erklärt sie enthusiastisch.

Was wäre ein Wunschprojekt?

„Die alte Wiener Schule von Traditionsbetrieben wie Thonet, Backhausen, Lobmeyr und Auböck in einem Objekt zu vereinen“: für die junge Interior-Design-Konzeptionistin ein logischer Wunsch. Karasinski setzt Design und Kunsthandwerk vergangener Jahrzehnte in einen neuen Kontext und gibt dadurch immer wieder neue Trends vor. 

Wir freuen uns auf viele weitere Trends von Laura und ­Atelier Karasinski in der Josefstadt!

 

Laura Karasinski 

… hat Grafik und Werbung an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert. Mit 21 Jahren gründete sie das Atelier Karasinski, ein Büro für Gestaltung in der Wiener Josefstadt, das sie mit viel Erfolg bis heute leitet. „Forbes“ führte sie 2016 als eine der 30 einflussreichsten Persönlichkeiten Österreichs unter 30 Jahren an. Mit ihrem Büro für Gestaltung macht sie Projekte von Logoentwürfen bis zu Interior Design – das kreative Leistungsportfolio ist sehr umfangreich. Zu ihrem Kundenkreis zählen Yves Saint Laurent, Campari und Top-Restaurants wie das Motto und das Schwarze Kameel. 

▶ Atelier Karasinski, 8., Piaristengasse 17/2/3, atelierkarasinski.com

 

Piaristengasse 17

Das Haus, in dem sich das Atelier Karasinski befindet, ist eines der traditionsreichsten der Josefstadt. Der Buchdrucker Adolf Jacobi (1863–1936) erwarb 1901 in der Piaristengasse 17 ein Biedermeierhaus mit großem Grundstück als Wohn- und Fabrikssitz. 1912 ließ er das Gebäude abreißen und durch den jüdischen Architekten Siegfried Kramer das heutige großzügige Wohnhaus mit einer Fabrikshalle im Hinterhaus errichten. Die Produktion von Wellpappe und Zigarettenpapier mit dem Patent „La Fleur“ machte Jacobi zu einem vermögenden Mann. Daneben betrieb er im Haus auch eine lithografische Anstalt.

 

Pizzeria Pizza Bussi Ciao

Der Name der Pizzeria erinnert an die Wanda-Songs „Bussi Baby“ und „Ciao Baby“. Es gibt köstliche neapolitanische und glutenfreie Pizzen in supercoolem italienischem Ambiente, gestaltet vom Atelier Karasinski. Die „Bussi-Gang“ rund um die Beauty-Bloggerin Julia Fodor ist gefordert, denn schon das Vorgängerlokal Solo Pizza No 15 mit dem Italiener Stefano Birettoni hat bereits mit Pizzen original neapolitanischer Art begeistert.

▶ Pizza Bussi Ciao, 8., Piaristengasse 15 

 

Alma Babycare

Alma Babycare ist eine biozertifizierte Pflegelinie für Baby und Eltern. Zur Geburt ihrer Tochter Alma haben Isabel und Lukas Zinnagl die Idee für eine Babypflegelinie geboren, bei der die Hochwertigkeit der Zutaten an oberster Stelle steht. Bei Mala Wien in der Josefstädter Straße 17 kann man Alma-Produkte im hübschen Design by Atelier Karasinski kaufen. Der Alma-Showroom befindet sich in der Florianigasse gegenüber dem Schlesingerplatz.   

almababycare.com