Grundhaltung: Menschenrechte

Das Engagement von Gudrun Schweigkofler Wienerberger geht weit über ihre Tätigkeit im Musischen Zentrum Wien hinaus, das sie seit über einem Jahrzehnt leitet. In dieser Zeit haben Tausende Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Großeltern das Haus in der Zeltgasse besucht.

Was hat die gebürtige Südtirolerin in die Josefstadt geführt? „Ich bin mit 19 zum Studieren nach Wien gekommen. Ich wollte Journalistin werden. Da die Josefstadt ein Studentenbezirk ist, verirrt man sich zum Fortgehen leicht hierher. Aber seit ich hier arbeite, hat der Bezirk endgültig mein Herz erobert. Hier gibt es alles, was man braucht. Erledigungen sind in kürzester Zeit gemacht, das schätze ich sehr. Und auch die Menschen, die hier leben und arbeiten, haben einen besonderen Spirit.“

Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern hat 2015 über die Jugendplattform Josefstadt das Netzwerk „Neue Nachbar:innen“ ins Leben gerufen. Dazu sind alle eingeladen, die sich im Bezirk für Flüchtlinge engagieren. „Die Grundhaltung orientiert sich an den Menschenrechten“, so Schweigkofler Wienerberger. Vertreten sind Menschen, die in der Flüchtlingsbetreuung arbeiten, aber auch Mitarbeiter:innen der Pfarren, des Nachbarschaftszentrums, des Jugendzentrums, der Museen, der Sozialkommission und des Achtsamen 8. sowie Privatpersonen. In den Einladungen, die Schweigkofler Wienerberger ausschickt, heißt es: „ … wie immer getragen von dem Wunsch, beizutragen zu einer lebenswerten Josefstadt für alle!“

Sich gegenseitig zu unterstützen in der nachbarschaftlichen Community-Arbeit ist das eigentliche Ziel. „Es sind schon unzählige unsichtbare kleine, aber wichtige Dinge entstanden. Wie das spontane Organisieren eines Zwillingskinderwagens, eines Juristen oder eines Übersetzers. Alles passiert sehr niederschwellig und auf kurzen Wegen.“ Seit sechs Jahren ist die „Josefstädterin 2017“ Patin eines jungen Mannes aus Afghanistan. Heuer hat er Matura gemacht, das freut Schweigkofler Wienerberger sehr, und dass er endlich einen „Aufenthaltstitel“ hat – zwar nur für ein Jahr, aber immerhin. „Er will in die IT, so wie viele junge Männer.“ Auch während der Sanierung des Musischen Zentrums wird Gudrun Schweigkofler Wienerberger das Nachbar:innen-Netzwerk weiterführen.

Zum Achten hat sie ohnedies enge Verbindungen: „Meine Tochter und meine Nichte wohnen im Bezirk, Letztere arbeitet sogar hier. Mit ihnen gehe ich gern ins Café der Provinz und im Sommer schlecken wir uns durch die unzähligen Eissalons. Und die haben wirklich Top-Niveau – das Urteil traue ich mir als gebürtige Italienerin zu.“