Ist Sorgekultur ansteckend?

Die Vorfreude auf das Wiedersehen war auf allen Seiten groß. 20 Taferlklassler der VS Lange Gasse, Menschen mit Demenz und ehrenamtlich Engagierte des Café Zeitreise der Caritas wollten einen Mai-Vormittag lang ihr Kennenlernen im Jännerbei Gesprächen, Singen, Tanzen vertiefen. Covid-19 machte jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ebenso
ist das „Achtsame Achterl“ – der erste Stammtisch, wo Alt und Jung Bedürfnisse, Anliegen, Ideen und Hilfsangebote zusammentragen und Pläne für Initiativen in der Josefstadt schmieden können – bis auf Weiteres verschoben.

Brieffreundschaften

Pflegende Angehörige werden von Hilfsorganisationen nun mit digitalen Angeboten begleitet. Aber Hochbetagte und Menschen mit Demenz finden oft nur schwer Zugang zu digitalen Medien. Für den sozialen Austausch greift der ACHTSAME 8. auf die alte Kunst des Briefschreibens zurück. Den Anfang machten die klei- nen und großen Gäste der Generationen-Zeitreise. Das Interesse an den Brieffreundschaften zwischen den Generationen ist groß und reicht längst über die Bezirksgrenzen hinaus.

Hausaufgaben-Buddies

Einen großen Run gab es oft auch bei den Familien daheim – um Computer und Arbeitsplätze. Der Spagat zwischen Homeoffice und Heimunterricht forderte Eltern und Kinder heraus.

In Kooperation mit dem Nachbarschaftszentrum 8 des Wiener Hilfswerks begleiten Freiwillige die Sprösslinge durch Arbeitsblätter und Wochenpläne, fördern Kinder und entlasten Eltern auch über die Ferien. Einige Kinder benötigen jetzt eine besondere Förderung: Sprachbarrieren, fehlender Internetzugang und das Fehlen eines ruhigen Lernorts machten die Bewältigung der Schulaufgaben zum Teil unmöglich. Schulen, Lehrer*innen, Institutionen arbeiten an kreativen und individuellen Lösungen.

Wenn bei Ihnen ausgemusterte Smartphones, Computer oder Laptops im Weg herumliegen oder -stehen, könnten Josefstädter Kinder von Ihrem Frühjahrsputz profitieren …

Telefonieren mit Menschen mit Vergesslichkeit

Wenn Familienmitglieder oder Freund*innen vergesslich werden, merkt man bald: Auch in der Unterhaltung mit Menschen mit Ver- gesslichkeit läuft vieles über Gesten, Mimik und Gefühle. Wenn die Worte entschwinden, helfen Bilder und Gegenstände beim Verständlichmachen. Das alles steht bei Telefongesprächen, die rund zwei Monate lang oft die einzige Kontaktmöglichkeit waren, nicht zur Verfügung. Der ACHTSAME 8. hat Tipps zusammengetragen, wie auch der telefonische Kontakt zu Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Verlauf gelingen kann. Den kleinen Leitfaden findet man auf: facebook.com/sorgenetz.at

Nachbarschaftshilfe

Alte Menschen und chronisch Kranke waren vom Ansteckungsrisi- ko doppelt betroffen: Sie sollten Supermärkte und andere belebte Alltagsorte meiden und waren plötzlich auf Hilfe angewiesen. In Isolation zu leben und Hilfe annehmen zu müssen, war für manche nicht leicht. In vielen Wohnhäusern tauchten Hausaushänge auf und machten die Hilfsbereitschaft von Nachbar*innen sichtbar. In Kooperation mit der Bezirksinitiative „Gemeinsam Josefstadt“ bringt der ACHTSAME 8. Hilfebedarf und Helfende zusammen. Lebensmittel und Medikamente wurden mit ein paar Worten und einem Lächeln an den Wohnungstüren abgegeben. So sind neue Beziehungen im Bezirk entstanden.

Vernetzung

Die Zusammenarbeit für die Aktivitäten im ACHTSAMEN 8. hat auch die Beziehungen zwischen den Beteiligten vertieft: Große Hilfsorganisationen und engagierte Menschen aus Josefstädter Institutionen überlegten gemeinsam, wie sie tatkräftig helfen können. Ideen fürs gemeinsame Tun gibt es viele und auch den Wunsch, dass die entstandenen Beziehungen, Strukturen und Geschichten von außergewöhnlichen Begegnungen den Weg in eine Normalität nach Corona finden. Angedacht sind z. B. Erzählcafés und andere Begegnungsformate.

Der ACHTSAME 8. wächst durch Anregungen, Sorge-Geschichten, Ideen, Anliegen und Ihr Engagement.

▶ Daniela Martos, office@achtsamer.at, +43 676 9725447
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