Josefstadt – da ist der Hund drin

First Dog Peekaboo, die Havaneser-Dame von Bezirksvorsteher Martin Fabisch, ist sehr trendy. Die elfjährige Hündin gehört nämlich jener Hunderasse an, die nach dem Labrador Retriever die beliebteste in der Josefstadt ist.

Von Laura Schott

Neben dem First Dog gibt es noch zehn weitere – registrierte – Havaneser-Damen und -Herren, gefolgt von Dackeln in allen Farben und Formen, Chihuahuas, Französischen Bulldoggen und Golden Retrievern.

Mit insgesamt 481 Tieren ist die Josefstadt der Bezirk mit den wenigsten Hunden. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist sie doch auch der flächenmäßig kleinste Bezirk Wiens und bietet auch dementsprechend wenig Auslauf. Aber auch pro 100 Einwohner befindet sich die Josefstadt am Ende des Wien-Rankings. Angeführt wird die Liste von den grüneren Randbezirken, die mit Abstand meisten Hunde wohnen in der Donaustadt und Floridsdorf. Doch auch in der Josefstadt lässt es sich mit Hund gut leben – 0,2 Prozent der Gesamtfläche des achten Bezirks bestehen aus Hundezonen. Das mag wenig klingen, doch es täuscht, denn damit belegt der Achte den 7. von 23 Plätzen, wenn es um den Anteil von Hundezonen an der Bezirksfläche geht. Und obendrauf ist die Josefstadt auch noch ein besonders sauberer Hundebezirk, hat sie doch die dritthöchste Hundekotsackerlspenderdichte Wiens.

Sackerl fürs Gackerl

Das freut auch jene ohne Hund, schließlich ist den Wienerinnen und Wienern die artgerechte Entsorgung des „Trümmerls“ ganz besonders wichtig. Wenn dann doch einmal jemand über eine Hinterlassenschaft stolpert, sorgt das verständlicherweise immer wieder für Unmut, auch in der Josefstadt. Durch die Einführung der „Gackerl-Sackerl“ hat sich die Situation über die letzten Jahre weitgehend beruhigt, obwohl vor allem während der Lockdowns die Problematik wieder mehr aufflammte. Neue Attraktivierungsmaßnahmen sollen gegensteuern. So wurde etwa die Hundezone im Schönbornpark mit 90 Quadratmeter Rollrasen auf Vordermann gebracht und die Wege wurden erneuert, und die Hundezone im Hamerlingpark hat einen neuen Baum bekommen, damit Herrchen und Frauchen im Sommer nicht in der prallen Sonne stehen müssen. Auch die Anbringung von Verhaltensregeln zählt zu den Erneuerungen. Schritt für Schritt sollen die Hundezonen so zu Orten werden, in denen sich Hund und Frauerl oder Herrl noch wohler fühlen.

links: © Gabriele Lux rechts: © BV 8

Hundefreundlich ist der achte Bezirk seit jeher. Unter anderem gab es hier die allererste Hundezone der Stadt. Bereits im Jahr 1991 wurde ein Teil des Schönbornparks durch einen Zaun vom Rest der Parkanlage getrennt und als Hundezone ausgewiesen. Über Letzteres war man sich jedoch wohl nicht immer ganz einig: In einem Kontrollbericht des Wiener Stadtgartenamts wurde das Fehlen einer entsprechenden Beschilderung der Hundezone bemängelt. Schnell wurden die „vorgefundenen Diskrepanzen“ aufgeklärt, wie es in dem Bericht heißt, und längst ist die Hundezone im Schönbornpark ein beliebter Treffpunkt für die Josefstädterinnen und Josefstädter und ihre vierbeinigen Gefährten.

Havaneser-Dame Peekaboo begleitet den Bezirksvorsteher am liebsten auf Schritt und Tritt durch dessen Alltag. Das ist nicht allen Hunden vergönnt, denn nicht jeder Job eignet sich für Hunde gleich gut wie für ihr Frauerl oder Herrl. Das macht das Leben mit Hund im Alltag nicht immer ganz einfach – ganz besonders in der Stadt. Dieser Problematik stand auch Ursula König vor einigen Jahren gegenüber. Vollzeit in der Pharmaindustrie beschäftigt – wie auch ihr Mann –, war es schwierig, ihren Hund untertags gut versorgt zu wissen. Nicht immer finden sich Verwandte oder Bekannte, die einspringen, und das professionelle Hundebetreuungsangebot ist begrenzt. Schon war die Idee zum „Hundehort“ geboren, den das Paar nun seit mittlerweile vier Jahren gleich gegenüber vom Schönbornpark führt. Wochentags können hier alle, die keine Möglichkeit finden, ihren Hund zu betreuen, diesen wie in einem richtigen Hort in der Früh bringen und abends wieder abholen. In der Zwischenzeit wird er von Ursula König und ihrem Team betreut: Dann werden in Kleingruppen Spaziergänge unternommen, die Tiere mit Konzentrations- und Denkspielen beschäftigt, es wird mit den anderen Hunden herumgetobt und natürlich gefressen. Dazwischen gibt es eine streng eingehaltene Ruhezeit. Die ist dem Team vom Hundehort besonders wichtig, damit die Tiere von den vielen Eindrücken nicht gestresst werden.

Durchschnittlich 15 Hunde pro Tag geben Langeweile im Hundehort keine Chance. Das Besondere an dieser Art des Hundesittens ist, dass die Hunde den ganzen Tag betreut werden und nicht nur eine Stunde oder zwei, damit sie eben einmal draußen waren. „Nachdem die Hunde einen ganzen Tag bei uns verbracht haben, sind sie abends richtig müde“, erzählt Ursula König. Das kommt Herrchen und Frauchen nach einem anstrengenden Arbeitstag gelegen.

Und wer sich und seinen Hund mal selbst elegant ausführt, kann diesen davor in der Laudongasse mit einer Rundum-Pflege mit Schneiden, Legen, Föhnen verwöhnen lassen. Ein paar Schritte entfernt ist die Senioren Residenz Josefstadt: Dort sind auch Hunde als Mitbewohner willkommen. Und ein besonderes Service ist das Arbeiten mit der Therapiehündin Kimmy, auf das sich die betagten Herrschaften immer sehr freuen.

© Gabriele Lux

Auch wer nicht in der Josefstadt zu Hause ist, dieser aber mit Hund einen Besuch abstatten will, wird fündig. Die Urlaubsplattform Tripadvisor hat das Hotel Josefstadt Am Rathaus zum besten hundefreundlichen Hotel Wiens erklärt, und auch das nicht weit entfernte 25hours Hotel beim MuseumsQuartier wird in Sachen Hundefreundlichkeit lobend erwähnt. Sie wollen Ihren Liebling nicht alleine im Hotelzimmer lassen und dennoch eine Stadtführung machen? Auch das geht, wie die Website kulturtour.at verspricht. Wer sich nach einer Nacht im Hotel mit seinem Vierbeiner zu einem Bummel durch den Achten aufmacht, wird nicht lange brauchen, um auf eines der zahlreichen Geschäfte zu stoßen, die allerlei Nützliches und Begehrenswertes rund um den Hund anbieten. Da gibt es zum Beispiel „Susi’s Katz und Hund“, das von Leinen, Halsbändern, Betten und Näpfen über Futter und Spielzeug bis hin zu Pflegeprodukten alles anbietet, was das Hundehalterherz begehrt. Unter dem Motto „Stets trocken und warm, stets gesund und glücklich“ bietet Inhaberin Susi Sarwaryn außerdem ein besonders umfangreiches Sortiment an Hundemänteln an, das sie sorgfältig und stets der aktuellen Mode entsprechend zusammenstellt.

Wer in Sachen Hundemode auf der trachtigen Seite zu Hause ist, sollte sich einen Besuch des Trachtenateliers HANNA nicht entgehen lassen. Designerin Constanze Kurz entwirft und schneidert hier neben Dirndln und Trachtenkleidern auch Hundegeschirre und dazu passende Leinen im Trachtenlook. Und wem das noch nicht genügt, der kann sich ab kommendem Frühjahr ein zu seinem Trachtenkleid passendes Hundegeschirr schneidern lassen – frei nach dem Motto „Für den gepflegten Stadtspaziergang mit deiner Fellnase“, wie es auf der Website heißt. Die Inspiration für die Hundemodelinie kam wohl von Constanze Kurz’ Dackeldame Heidi.

Die Menschen, die sich den Achten zum Leben ausgesucht haben, sind eine bunte Mischung verschiedenster Charaktere, die dennoch irgendwie alle nach einem Schlag kommen. Das tun sie vor allem, wenn es um ihre Hunde geht. „Die Josefstädterinnen und Josefstädter sind eine ganz besondere Art Hundehalter“, ist Ursula König überzeugt. Sie hat sich den achten Bezirk deshalb ganz bewusst für ihren Hundehort ausgesucht. „Es ist ein bisschen schwierig zu beschreiben. Aber die Hundebesitzer hier sind noch einmal ein wenig fürsorglicher und wollen ihren Tieren einfach immer etwas Gutes tun.“ Gelegenheit dazu finden sie in der Josefstadt jedenfalls genug – davon zeugen zwei einschlägige Geschäftseröffnungen in der Josefstädter Straße in jüngster Zeit.


Ausgabe 04/2021