Ladies First Sessions

Im Achten findet monatlich Wiens erste Jam-Session mit Fokus auf Musikerinnen statt. Ein Gespräch mit Initiatorin Susanne Hager.

Von Nadja Riahi

Im „Tunnel“ in der Florianigasse wird jeden letzten Dienstag im Monat Musik gemacht. Bei den „Ladies First Sessions“, die Susanne Hager – Jazz-Sängerin, Songwriterin und Gesangslehrerin – ins Leben gerufen hat, ist der Name Programm: „Die ,Ladies First Sessions‘ sind eine Konzertreihe mit anschließender Jam-Session, bei der Musikerinnen im Vordergrund stehen“, erzählt Hager. Das Konzept: Zu Beginn gibt eine All-female-Band ein Konzert, die Genres reichen dabei von Jazz über Blues bis hin zu Flamenco. Die Konzertreihe ist eine gute Möglichkeit, neue Genres zu entdecken. „Meistens suche ich die Bands aus, aber es können sich auch Bands bei mir melden. Die Qualität der Bands ist mir sehr wichtig“, sagt Hager. Nach dem Konzert und einer kleinen Pause finden sich auf der Bühne interessierte Musiker:innen zu einer Jam-Session zusammen. „Bei der Jam-Session sind Frauen und Männer herzlich willkommen, ich achte jedoch darauf, dass Frauen der Vortritt gelassen wird, wenn sie möchten.“ Eine Jam-Session ist spontan, jede:r kann mitmachen. Manchmal werden Songs gespielt, die alle kennen, andere Male wird komplett frei musiziert.

Die Idee, die „Ladies First Sessions“ zu gründen, kam aus eigener Beobachtung, sagt Hager: „Ich bin sehr viel auf Jam-Sessions unterwegs. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei diesen Events zu 90 Prozent Männer auf der Bühne sind, was ich schade finde. Die ,Ladies First Sessions‘ sollen Frauen präsentieren und vernetzen.“ Die Reaktionen des Publikums seien sehr gut, Zuschauer:innen sind nicht nur Musiker:innen, sondern auch Musikbegeisterte, Frauen wie Männer. „Mir ist eine Mischung wichtig. Viele kennen das Konzept noch nicht, sind aber nach ihrem ersten Besuch begeistert und bleiben für die Jam-Session. Ich finde es jedes Mal superspannend, weil man im Vorhinein nicht weiß, wer kommen und jammen wird“, sagt die Sängerin, die in der Josefstadt wohnt und arbeitet. Die Musiker, die zu den Veranstaltungen kommen, seien meistens sehr positiv und respektvoll. „Ich habe von Männern aber auch schon anderes erlebt“, sagt Hager und fährt fort: „Kommentare wie: ‚Muss ich mir da eine Perücke aufsetzen?‘, höre ich regelmäßig. Aber diese Männer kommen dann nicht zu den Sessions. Wir ziehen, sage ich mal, einen gewissen Männerschlag an, der offen ist und Musikerinnen supporten möchte. Denn das Business selbst wird sehr von Männern dominiert.“

Während der letzten beiden Jahre wurde die Veranstaltungsreihe coronabedingt immer wieder unterbrochen. „Im sehr langen Lockdown letztes Jahr haben wir die Konzerte dann als Livestream gemacht, das ist beim Publikum super angekommen. Unsere erste Band war eine Flamenco-Band und es haben Leute aus der ganzen Welt zugeschaut. Wir hatten insgesamt 1.700 Views und 250 Kommentare im Facebook-Chat. Solche Online-Veranstaltungen haben auch etwas für sich, aber sie sind viel Aufwand“, so Hager. Deswegen findet die Veranstaltung nun wieder in gewohnter Manier im Tunnel Vienna statt. Das nächste Mal übrigens am 27. September.

▶ 27/09/2022, 20h.
Tunnel Vienna Live, 8. Florianigasse 39. +43 1 990 44 00, Mo–Sa 9–02h, So 9–24h
www.tunnel-vienna-live.at