Licht in pandemischen Zeiten

Von Nathalie Kroll

Es ist wieder da. Das tägliche Gefühl, es sei Sonntag. Die Straßen sind leer, die Geschäfte zu. Der Lockdown hat uns wieder. Vor wenigen Wochen, im sommerlichen Rausch sinkender Inzidenzen, wagten wir zu hoffen, diese Pandemie sei in den Griff zu bekommen. Aber nein. Unterlassene Maßnahmen der Politik, Impfdurchbrüche und Impfverweigerer belehren uns heute eines Besseren. Nichts ist vorbei, ganz im Gegenteil. Die Umstände, unter denen wir letztes Jahr Weihnachten feiern mussten, waren offensichtlich keine Ausnahme. Wir können von Glück reden, wenn es dieses Jahr nicht schlimmer, nicht noch einsamer wird. Jetzt heißt es wieder: alles zu, alle bleiben zu Hause. Österreich, Wien, die Josefstadt.

Vor wenigen Tagen wurde die Josefstädter Straße feierlich in ein blaues Lichtermeer aus rund 120 blauen Kugeln getaucht. Benebelt vom Dauerthema der Pandemie mag der eine oder andere Betrachter in den Kugeln auch leuchtende Corona Viren erkennen. Nun hängen sie da, die blauen Bälle, allen Widrigkeiten zum Trotz. In diesen Zeiten sind sie mehr als einfach nur eine Weihnachtsbeleuchtung. Sie sind ein Stück Hoffnung. Ein Glück, dass sie hängen dürfen, dass es Betriebe gibt, die ihre Errichtung finanziert haben. Jetzt erstrahlen sie wieder und das ist wichtiger als jemals zuvor.

Zu wünschen bleibt, dass die Josefstädter:innen ihren Betrieben die Treue halten. Amazon & Co. werden sich niemals für die Lebensqualität und die Vielfalt in den Straßen der Josefstadt interessieren. Ja, es gibt mehr Perspektiven in Zeiten der Pandemie. Es geht nicht nur um das wirtschaftliche Überleben. Es geht – allem voran – um das Überleben auf den Intensivstationen, die Entlastung der Pflegekräfte und Ärzt:innen, die Überstunden, das Leid, die Bewältigung der psychischen Folgen, die Kinder. Die Liste der Betroffenen ist lang. Es gibt wenig Ausnahmen und wenig Gewinner:innen.

Dieser Lockdown wird, egal wie lange er noch dauert, irgendwann vorbei sein. Bis dahin sind Konstanten eine wichtige Stütze. Ihre Existenz schafft Normalität. In Ausnahmezeiten wie diesen gibt es wenig, was den Menschen mehr beruhigt, als das Gefühl, alles verlaufe in gewohnten Bahnen. Was wir jetzt brauchen ist, trotz allem, eine vorweihnachtliche Stimmung. Die Josefstädter:innen kennen ihr Grätzel ohne Weihnachtsbeleuchtung. Nicht selten hat es das gegeben in den letzten Jahren. Stellen Sie sich vor, liebe Leser:innen, das wäre jetzt so. Katastrophe.

 

 


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