Mal sehen, wo’s hingeht

Als Yasmo ist Yasmin Hafedh mit ihrer Poesie und Musik eine der kreativsten Stimmen im Land. Sie lebt seit Jahren im Achten, wo sie den Lockdown als kreativen Raum zu nutzen lernte.

„Es war das Glück, eine Wohnung zu finden“, sagt die Sprachkünstlerin über die Wahl ihres Lebensstandorts. Im Herbst feiert die Tochter einer alleinerziehenden Mutter ihren 30. Geburtstag, blickt dann auf zwölf Jahre im Bezirk zurück. „Mit der Zeit habe ich schon das Gefühl, dass er aufgewacht ist, der Achte, auf seine Art und Weise.“ Dabei waren der Gürtel mit seinen Lokalen und das Café Anno – „das verlängerte Wohnzimmer der Poetry-Slammer“ – wichtige Bezugspunkte, nicht zuletzt für ihre eigene künstlerische Entwicklung. In deren Zentrum stehen immer ihre Texte und das Schreiben. Eine Tätigkeit, für die nicht nur die doch (auch) definitiv vorhandene Ruhe des Bezirks geradezu ideal erscheint. Wenn auch mit Einschränkungen: „Wir haben neben uns eine Studenten-WG und jetzt erlebe ich mich in der Rolle zu fragen, ob die Musik nicht ein bisschen leiser sein könnte“, erzählt Yasmo lachend. In Verbindung mit dem coronabedingten Wegfall aller Liveaktivitäten – hauptsächlich war Yasmo dabei mit der Klangkantine unterwegs, trat aber ebenso als Rapperin und Poetry-Slammerin in Erscheinung – eröffnete das nach der ersten Verunsicherung Räume, anders zu arbeiten.

Mit dem Wegfall des üblichen Lebens- und Erwerbsrhythmus fand sie den Raum für ein neues Musikprojekt, über das sie aber noch nicht wirklich erzählen mag, weil es noch im Entstehen ist. Dazu nutzt sie mit der vielköpfigen Klangkantine die Zeit, um den Albumnachfolger von „1000 Liebe“ (2017 erschienen und immer noch empfehlenswert, etwa wegen des feministischen Hits „Girls Wanna Have Fun“) über Crowd­funding zu finanzieren. Mit Gegenleistungen wie signierten Tonträgern oder personalisierten Gedichten konnten 15.000 Euro erreicht werden, was Yasmo gerührt als „große Solidaritätswelle“ erlebt. Die Arbeit an diesem Album wird eine Konstante der nächsten Monate sein. Einen konkreten Album-Release oder eine Tournee dafür zu planen, traut sich die kluge Künstlerin mit ihren musikalischen Partnern vorerst nicht. „Wenn mir Corona etwas beigebracht hat, dann das: Mal sehen, wo’s hingeht.“ Vorbauend geschaffene finanzielle Reserven – „irgendwann kommt die SVA“ – ermöglichen eine solche Sichtweise.

Mit der Gabe des sinnerfassenden Lesens gesegnet, entwickelte sich Yasmin Hafedh daneben zur Spezialistin für den WKO-Härtefonds, beriet dazu Künstler*innen und – sich selbst. Nicht zuletzt dahingehend, dessen Leistungen als einem zustehend zu begreifen. „Wer weiß, vielleicht kommt noch ein Jus-Studium?“ Weit weniger trocken gestaltete sie den „Yasmontag“ (Namensgebung: ihre Künstlerinnen-Freundin Mieze Medusa), an dem sie via Instragram sehr launige Interviews mit Musiker*innen und Schreiber*innen ins Netz stellte. 15 Folgen gibt es nachzusehen, „im September oder Oktober werde ich das wieder machen“.

www.yasmo-klangkantine.com, www.instagram.com/yasmoone