„Meine Inspiration ist die Menschheit“

Yasmin Hafedh aka Yasmo ist Künstlerin, Musikerin, Slam-Poetin, Autorin, Workshopleiterin und Kuratorin. Und sie wohnt in der Josefstadt. Ein Gespräch über zukünftige Projekte, Musik und das Künstlerin-Sein.

Von Nadja Riahi

Poetry-Slam-Fans können sich auf den Herbst freuen: Mit dem Verein FOMP (Fear Of Missing Poetry) veranstaltet Yasmin die nächste deutschsprachige Meisterschaft im Poetry Slam, die von 2. bis 6. November erstmals in Wien stattfinden wird. „Der Wettbewerb wird seit 26 Jahren jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgerichtet. Heuer darf erstmals Österreich die Meisterschaft austragen. Der Austragungsort wird immer drei Jahre im Voraus entschieden,“ erzählt sie. Die Regeln sind simpel: Bei Europas größtem Live-Literaturfestival kommen 110 Slam-Poetinnen und -Poeten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen und geben alles, um Meister:in zu werden. „Es wird mehrere Vorrunden, ein Halbfinale und ein großes Finale im Burgtheater geben. So eine Meisterschaft ist schon etwas anderes als ein normaler Slam. Die Poet:innen bringen ihre besten Texte mit, alle fiebern mit und sind total drinnen“, weiß Yasmin.

Bereits im September finden in ganz Wien Events und Workshops im Rahmen des SLAM 22 statt.

junge Frau steht seitlich bei eilner Wand aus Backsteinen

Yasmo © Carina Antl

Yasmo ist selbst international eine sehr bekannte Slam-Poetin. 2009 stand sie als erste Frau im Finale des Ö-Slam und gewann als erste Österreicherin die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in der Kategorie U-20. Mit Mieze Medusa bildet Yasmin das Team MYLF – eine Klasse für sich!

Und dann macht Yasmin auch noch sehr erfolgreich Musik. Ihre Band „Yasmo und die Klangkantine“ bringt im Oktober ein neues Album heraus und geht im November endlich wieder auf Tour. „Wir machen Rap mit einer großen Jazz-Bigband und lieben es, live zu spielen.“ Die neunköpfige Band schreibt die Musik übrigens gemeinsam. Das dritte Studio-Album „Laut und Lost“ ist während der letzten zwei Jahre entstanden. „Wir versuchen wirklich gemeinsame Kunstwerke zu schaffen und Hip-Hop, Jazz und Rap zu kombinieren“, erzählt die Künstlerin aus der Josefstadt. Am 1. und 2. Dezember geben Yasmo und die Klangkantine im „Porgy & Bess“ ihr Release-Konzert.

Inspiration bezieht Yasmin aus „der Menschheit“. Das können Dinge sein, die ihr selbst oder Freund:innen passieren. „Oder ich sitze in der Straßenbahn und höre Leuten beim Reden zu. Man muss nur die Augen offen haben, dann gibt es genügend Inspiration.“

Am Anfang der Pandemie wurde Yasmin und ihren Kolleg:innen schnell klar, dass sie sich als Künstler:innen selbst organisieren müssen. „Es musste alles ganz schnell gehen. Im Endeffekt hat die Politik keine Ahnung, was der Beruf einer Künstlerin ist und welche Aspekte dazugehören. Man sieht Leute auf der Bühne und denkt sich: ,Cool!‘, aber nicht weiter“, erzählt sie. Ein Beispiel: Musikschaffende spielen oft nicht nur ihr Instrument, sie geben auch Unterricht. Yasmin, die gerne den Hintergrund der Dinge versteht, verbrachte viel Zeit damit, sich in die Organisation der diversen Fonds für Künstler:innen einzulesen. „Das hat mir das Gefühl gegeben, etwas Sinnvolles zu machen. Ich wollte meinen Kolleg:innen helfen und so hat es sich ergeben, dass ich angerufen und um Rat bezüglich verschiedener Förderungen gefragt wurde. Es ist ganz wichtig, dass wir uns untereinander solidarisieren.“

Ihr nächstes großes Projekt ist etwas, das sie schon lange machen wollte. „Ich hatte mit etwa 14 Jahren die Idee, Theaterregisseurin zu werden. Ich habe Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Uni studiert, weil mir das Wissenschaftliche dahinter gefallen hat. Vom Wissenschaftlichen in die Praxis zu gehen, kann aber schwierig sein. In meinem Fall wurde ich gefragt, ob ich für den Rabenhof eine Textbearbeitung von Nestroy machen will, und ich habe gesagt, dass ich auch Regie führen möchte“, freut sich Yasmin auf ihr Debüt.

Auf die abschließende Frage, welche ihre Lieblingsorte im Achten sind, antwortet sie ohne zu zögern: „Das Anno auf der Lerchenfelder Straße, das Volkskundemuseum und der Schönbornpark. Der Achte ist super.“

▶ Die 26. Deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften. 02–06/11/2022
https://slam22.at