My Style – Upcycling

Worauf muss ich verzichten, wenn ich nachhaltiger werden will?

Von Esther Berg und Andreas Ellenberger

Diese Frage bekommen wir oft gestellt, denn leider ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ in den letzten Jahren oft mit dem erhobenen Zeigefinger verbunden gewesen. Dass es uns Menschen und der Natur langfristig gut geht, ist jedoch kein Verzicht, sondern ein Gewinn – und dazu braucht es Nachhaltigkeit als Lifestyle statt als Trend. Das ist ein Motto von Mocca Mint, dem „Home of Upcycling“ als Neuzugang in der Josefstädter Straße.

Wir haben mit Josef Papousek, dem Gründer und Inhaber, gesprochen. Er hat sich bewusst für die Josefstadt entschieden, weil hier auf kleinere Unternehmen statt große Ketten und auf die Entwicklung von Nachhaltigkeit Wert gelegt wird.

Schönes, nachhaltiges und zeitloses Design mit Qualitätsanspruch (Esther)

Es gab die Worte Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Re-use noch nicht, als ich alte Stücke wie verschiedene Möbel (nicht aus dem Antikladen) oder diverse Geräte wie Ventilatoren aus den 50er-Jahren in meiner Wohnung benutzt habe. Wenn alte Gebrauchsgegenstände auseinandergenommen und dann wieder zu etwas Neuem zusammengesetzt werden und das mit hoher Qualität, Ästhetik und Design einhergeht, dann bin ich voll dabei. Das und ganz viel mehr habe ich im Mocca-Mint-Shop gefunden.

Wer produziert ästhetisch schöne Gegenstände aus ungewöhnlichen Stoffen, die normalerweise im Müll landen? Um die richtigen Partner:innen zu finden, darf man sich Zeit nehmen – 1,5 Jahre waren es für Mocca Mint, bis das Konzept und die Produzent:innen für das erste Geschäft zusammenkamen. Taschen und Gürtel aus ausgemusterten Feuerwehrschläuchen, Hausbars aus B-Ware-Ölfässern oder Tische aus aufbereitetem Verschalungsholz findet man hier unter anderem.

Kreislaufwirtschaft als der Gedanke dahinter (Andreas)

In der Auslage ist mir gleich das Buch „Cradle to Cradle – einfach intelligent produzieren“ aufgefallen: Dieses Konzept beschreibt, dass man beim Design von Produkten bereits im Kopf hat, was nach der Nutzung mit den Materialien passiert, damit sie nicht zu Müll werden und für Mensch und Umwelt gesund in der Herstellung sind. Mit diesem Anspruch wählt Josef Papousek die Produkte aus – sie sollten schon für die ursprüngliche Nutzung fair hergestellt worden sein.

Bei der Auswahl der Produzent:innen war Neugier ein Motivator und das persönliche Kennenlernen ein wichtiger Parameter. Wo arbeiten diese Menschen, was treibt sie an? Warum setzen sie Kreislaufwirtschaft aktiv um? Sind sie authentisch bei dem, was sie tun? Dieses Auswahlkriterium wünsche ich mir auch bei anderen Händler:innen – die Partner:innen, die Hintergründe der Menschen und die Geschichten der Materialien zu kennen.

Doch einen der wichtigsten Aspekte für den nachhaltigen Lifestyle sollten wir dabei nicht vergessen: Brauche ich dieses Produkt wirklich? Für mein Wohlbefinden? Und habe ich meine eigenen Nachhaltigkeitskriterien? Das hilft für eine bewusste Entscheidung.

▶ Mocca Mint. 8., Josefstädter Straße 55, Di–Fr 11–18h, Sa 9–14h
mocca-mint.at

Ausgabe 03/2022


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