Nachhaltiges Lernen in unserer Josefstadt? Das geht!

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der primär mit ökologisch achtsamem Handeln gleichgesetzt und daher selten mit Lernen und Bewusstseinsbildung verknüpft wird.

Von Ivana Walden

Schade eigentlich, denn gerade in der Bildung ist nachhaltiges Agieren besonders wichtig. Was viele dabei übersehen, ist die Tatsache, dass das Lernen in der Theorie – wie wir es aus unseren Schulen kennen – allein nicht ausreicht. Es kommt aufs Tun an.

Was bedeutet „nachhaltiges Lernen“?

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts: Es sollte nur so viel Holz aus dem Wald entnommen werden, wie auf natürliche Weise wieder nachwachsen kann. Es geht also einerseits um eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und andererseits darum, die Zukunftsfähigkeit des Systems zu sichern.

Lernen wiederum beschreibt die Interaktion eines Individuums mit seiner Umwelt in Form von wiederholten Erfahrungen, die zu einer Veränderung im Erleben und Verhalten führen. Die durch Bildung entstandene Bewusstseins- und Verhaltensänderung lässt sich nur aus dem Vergleich zu bisherigen Reaktionen auf diverse Umweltsituationen beobachten.

Nachhaltiges Lernen bedeutet, dass ein praxisrelevanter Austausch mit der eigenen Umwelt ermöglicht wird, damit die Auswirkungen des persönlichen Handelns erfahren werden. Auf diese Weise wird eine Veränderung von Verhaltensweisen erkennbar, die im besten Fall auf allen drei Säulen der Nachhaltigkeit beruht: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Nachhaltiges Lernen außerhalb der Schule

Unser Schulsystem zeigt im Bereich der praktischen Umsetzung definitiv Mängel. Nur wenige Schulformen haben einen aussagekräftigen Praxisanteil und selbst der bezieht so gut wie nie ökologische, ökonomische und soziale Aspekte mit ein. Umso wichtiger ist es, nachhaltige Lernräume außerhalb der Schule zu schaffen.

Am 24. Juni 2022, dem letzten regulären Freitag im Schuljahr, fand in der Josefstadt ein Clean-up mit den Green Heroes Austria statt. Wir haben in der vergangenen KOR8-Ausgabe bereits über die Aktion berichtet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Müllsammelaktionen in der Stadt zu organisieren und so positiv auf die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung in Bezug auf Müll und dessen Vermeidung einzuwirken.

Kinder und Erwachsene mit Müllsäcken im Park

Clean-up in der Josefstadt

Dank vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer aus der Ukraine wurde der Clean-up ein schöner Erfolg für unseren Bezirk – die Resonanz der lokalen Bevölkerung sowie jene der Schulen war jedoch noch etwas verhalten. Deshalb aufgeben? Niemals!

Beim nachhaltigen Lernen geht es eben genau darum, praxisrelevante Lernerfahrungen immer wieder anzubieten und mit gutem Beispiel voranzugehen. Wer nachhaltiges Agieren auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene immer wieder erlebt, wird irgendwann selbst damit beginnen. Unsere Aufgabe als Gemeinschaft ist es, diese Erfahrungen zu ermöglichen und sichtbar zu machen. So kann nachhaltiges Lernen auch außerhalb des Schulsystems erfolgen, unabhängig vom Alter, sogar ein Leben lang.

Wir freuen uns daher schon sehr auf den World Cleanup Day am 17. September und auf viele weitere nachhaltige Mitmach-Aktionen in unserer Josefstadt. Auf das Tun kommt es an – und wir sind dabei!


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