Nicht wie in einem Dorf

Um Helmut Pokornig kommt man im Bezirk nicht herum, auch wenn man ihn nicht persönlich kennt. Möglicherweise gefällt ihm die Bezeichnung „steirische Eiche“ nicht, aber sie ist doch treffend.

Von Elisabeth Hundstorfer

Groß gewachsen und ein Fels in der Brandung: Wo man ihn braucht, dort ist er zur Stelle – die letzten Monate im Bezirksmuseum. Er ist nicht nur für die aktuelle Ausstellungsarchitektur verantwortlich, sondern auch für die grafische Umsetzung der Begleitpublikation zur Schau „Vor Schand und Noth gerettet“. „Eigentlich sollte ich das Wirtshaus meines Vaters in der Steiermark übernehmen“, erzählt der fast zwei Meter große Mann. „Ich wollte aber immer schon Fotograf werden.“ Nach Wanderjahren auf Saison in der Gastronomie verschlug es ihn als UN-Soldat nach Zypern. Ein Unfall brachte ihn aber schnell wieder nach Österreich zurück.

Als Kellner im Café Prückel lernte er den Autor und Musiker Ernst Molden kennen, der ihn zu einem Künstler:innentreff einlud. „So trafen wir uns in einer illustren Runde jeden Sonntag. Dort habe ich Vertrauen geschöpft, dass ich das auch kann, und habe mich erfolgreich in einem Werbestudio beworben. Neben viel Werbung habe ich auch für den ,Standard‘ und die ,Wiener Zeitung‘ als Illustrator gearbeitet.“

Im Achten kennt man Pokornigs Arbeiten von Ausstellungen, wie im Volkskundemuseum, oder Plattencovern, etwa für den Josefstädter Musiker Martin Spengler. Sein Buch „Mord und Totschlag in der Josefstadt“ wurde wegen der großen Nachfrage neu aufgelegt. Die Idee dazu kam dem Multitalent bei der Recherche zur Ausstellung über Gasthäuser in der Josefstadt im Bezirksmuseum 2019.

„Ein Jahr davor gab Museumsleiterin Maria Ettl den Anstoß zu einer Ausstellung über meine Figuren – daraus ist eine richtige ,Personale‘ geworden: Unter dem Titel ‚Pinsel, Schere, Stein, Papier‘ setzte sich die Schau mit meinen unterschiedlichen künstlerischen Interessen auseinander.“ Unter dem Pseudonym Anatol Brockmeyer fertigt Pokornig außerdem lexikografische Collagen an. Nomen ist omen …

Die Puppen lässt Helmut Pokornig seit 2012 in der Regel in seinem Figurentheater Marijeli in der Zeltgasse tanzen. „Es ist wunderbar, wenn meine Zeichnungen dreidimensional werden und den Puppen Leben eingehaucht wird.“ Er macht vom Bühnenbild über den Kartenverkauf bis zum Puppenspiel alles selbst, nur die Texte sind von Theatergrößen wie Elisabeth Orth, Peter Matic, Peter Simonischek oder seiner Frau Andrea Clausen eingesprochen.

„1998 habe ich meine Frau, die Burgschauspielerin Andrea Clausen, bei der Viennale kennengelernt. Und so bin ich am Hamerlingplatz gelandet. Bis heute wohnen wir dort mit unseren Zwillingstöchtern, sie machen heuer Matura.
In der Josefstadt fühlt man sich nicht wie in einem Dorf, aber durch Engagement hat man immer die Möglichkeit, den Bezirk in einer Dörflichkeit zu erleben.“