Opinion: Die Hoffnung lebt zuerst!

Corona hat die Welt verändert. Jeder scheint an irgendeiner Front zu kämpfen. Mit Ängsten, Zweifeln und dem ständigen Gefühl der Unsicherheit. Um die eigene Existenz. Und gegen die Meinung anderer.

von Ronny Kokert

Wie soll das weitergehen? Genau weiß ich das auch nicht. Und bleibe trotzdem zuversichtlich. Das habe ich von meinen Burschen, den Freedom Fighters, gelernt. Als ich 2016 junge Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak einlud, mit mir die Kampfkunst Shinergy zu trainieren, wusste ich auch noch nicht, was mich erwarten würde.

Unsere gemeinsame Reise war steinig und beglückend. Sie hat die Burschen vom Flüchtlingslager über Asylverfahren bis hin zu Lehrstellen und Weltmeister-Titeln geführt. Und mich bis in die Hölle von Moria. Ich habe sie das Kämpfen gelehrt. Damit sie nicht mehr kämpfen müssen. Sie haben mir gezeigt, worauf es wirklich ankommt.

Diese jungen Männer hatten alles verloren, sind vor Krieg und Terror geflüchtet und mussten ihre Familien und ihre Heimat zurücklassen. Um zu überleben, haben sie Grenzen überwunden. Im Loslassen der Vergangenheit und mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft haben sie sich auf den Weg gemacht. In die Veränderung. Ins Fremde. Und ins Ungewisse. Längst sind sie angekommen. Und zu einem wertvollen Teil unserer Gesellschaft geworden.

Was sie ausmacht, ist ihre Verbundenheit. Sie sind mit sich selbst, mit ihren Gefühlen und mit ihren Mitmenschen verbunden. Weil sie achtsam mit sich selbst umgehen, können sie das auch anderen zugestehen. Und zeichnen sich durch Dankbarkeit, Höflichkeit und uneingeschränkte Lebensfreude aus. Aus dem Gegeneinander-Kämpfen wird ein verbindendes Miteinander-Üben.

Daran können wir uns ein Beispiel nehmen. Verbunden bleiben und im Mut zur Menschlichkeit neue Hoffnung finden. Zuhören, hinsehen, einfühlen. Und in der Vielfalt unsere Einzigartigkeit entdecken.

Gemeinsam schaffen wir das. Corona hat die Welt verändert. Jetzt sind wir dran!