Rechtstipp: Neuübernahme

Unternehmer:innen, die viele Jahre lang ein Unternehmen geführt, vielleicht sogar selbst aufgebaut haben, haben nicht selten konkrete Vorstellungen und Wünsche, wie es im Fall ihrer Pensionierung mit dem Betrieb weitergehen soll. Dabei sind emotionale Bindungen nur ein Aspekt.

Von Mag. Balazs Esztegar

Der Fortbestand eines Unternehmens kann für Kund:innen, Lieferant:innen und vor allem für Arbeitnehmer:innen von grundsätzlicher, vielleicht sogar existenzieller Bedeutung sein. Eine geeignete Person für die Nachfolge zu finden, ist daher ein wichtiges Anliegen für viele Unternehmer:innen.

Wer einen Betrieb fortführen möchte, sollte sich ein möglichst genaues Bild über das Unternehmen verschaffen. Dabei ist vor allem die wirtschaftliche und rechtliche Bestandsaufnahme und Analyse, die sogenannte Due- Diligence-Prüfung, von zentraler Bedeutung. Man wird daher nicht umhinkommen, sich einen möglichst tiefgehenden Einblick in die Unternehmensführung und die Geschäftsbücher, Bilanzen und Verträge zu verschaffen. Je nachdem, in welcher Rechtsform das Unternehmen aktuell geführt wird und künftig geführt werden soll, sind dann die weiteren Abläufe zu absolvieren: Eine Übertragung eines Einzelunternehmens in Form eines sogenannten Asset Deals stellt die Parteien (und ihre Berater:innen) vor ganz andere Herausforderungen als etwa der Kauf von Beteiligungen an einer GmbH, der sogenannte Share Deal.

Sollte es nicht gelingen, rechtzeitig die Nachfolge in die Wege zu leiten, etwa weil sich niemand findet, um den Betrieb zu übernehmen, bleibt oftmals nur die Schließung und Abwicklung des Unternehmens übrig. Auch hier ist es wichtig, umsichtig und geordnet vorzugehen, etwa langfristige Vertragsbindungen wie Dienstverhältnisse oder Mietverträge rechtzeitig und richtig zu kündigen. Während die Schließung eines Einzelunternehmens rechtlich gesehen vergleichsweise schnell durchzuführen ist, bedarf die Beendigung einer Kapitalgesellschaft wie der GmbH eines formalistischen, länger dauernden Verfahrens, der sogenannten Liquidation. Das Verfahren soll sicherstellen, dass nach Beendigung und Löschung der Gesellschaft keine Gläubiger mehr bestehen, die Forderungen gegen die – dann schon gelöschte – Gesellschaft haben und keine Gelegenheit hatten, diese rechtzeitig geltend zu machen. Um ihre Verständigung zu gewährleisten, ist beispielsweise der sogenannte Gläubigeraufruf, eine Einschaltung im Amtsblatt der Wiener Zeitung, mit einer darauffolgenden Wartefrist von drei Monaten zwingend gesetzlich vorgeschrieben. Um keine Fehler zu machen, sollte man daher rechtzeitig professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

Mag. Balazs Esztegar LL.M. ist Rechtsanwalt in 1080 Wien und berät und vertritt vorwiegend kleine und mittelständische Unternehmen in Fragen des Wirtschaftsrechts einschließlich Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge. Er ist Vortragender in mehreren Fortbildungsreihen für Unternehmer und darüber hinaus Experte und Fachautor im Bereich Staatsbürgerschaftsrecht.

www.esztegar.at

Ausgabe 03/2022