Rechtstipp: Sommer, Sonne, Urlaub

Sommerzeit ist Urlaubszeit, daran hat selbst die Pandemie nicht wirklich etwas geändert. Umso ärgerlicher ist es, wenn die lang ersehnte Entspannung durch unvorhergesehene Schwierigkeiten beeinträchtigt oder sogar vereitelt wird. Reise und Urlaub haben nämlich durchaus rechtlich relevante Aspekte.

Von Mag. Balazs Esztegar

Aus arbeitsrechtlicher Sicht regelt für ArbeitnehmerInnen das Urlaubsgesetz, dass sie Anspruch auf bezahlte Erholungszeit haben. Das jährliche Urlaubsausmaß beträgt in der Regel fünf Wochen pro Arbeitsjahr und erhöht sich nach Vollendung des 25. Dienstjahres um eine weitere Woche. Der Urlaubanspruch entsteht in den ersten sechs Monaten des ersten Arbeitsjahres nur anteilig im Verhältnis der bereits zurückgelegten Dienstzeit, nach sechs Monaten in voller Höhe. Wird der Urlaub nicht in dem Jahr verbraucht, in dem er angefallen ist, kann man das verbleibende Kontingent in das nächste Urlaubsjahr übertragen und dadurch „Urlaub anhäufen“, allerdings nicht unbegrenzt: Der Urlaubsanspruch verjährt nach Ablauf von zwei Jahren ab dem Ende des Urlaubsjahres, in dem er entstanden ist. Allzu lange sollte man sich daher nicht Zeit lassen.

Die konkrete Lage der Urlaubszeit ist zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu vereinbaren. Weder kann der Arbeitnehmer einseitig den Urlaub antreten noch kann der Arbeitgeber diesen einseitig anordnen. Dem Erholungsbedürfnis des Arbeitnehmers sind die betrieblichen Interessen des Arbeitgebers gegenüberzustellen.

Unternimmt man während seines Urlaubs eine Reise, können weitere rechtliche Themen schlagend werden: Flugverspätungen, Annullierungen oder andere Reisemängel sind nicht nur geeignet, die Urlaubsfreude zu trüben, sondern können zivilrechtliche Ansprüche nach sich ziehen. Welche Rechte Passagiere etwa bei Problemen im Flugverkehr haben, regelt in erster Linie die Fluggastrechteverordnung der EU. Hier sind bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen wie einer Annullierung oder erheblichen Verspätung pauschale Entschädigungen vorgesehen.

Der Abschluss von Reiseversicherungen, die auch die Kosten der Durchsetzung derartiger Ansprüche beinhalten, kann daher sinnvoll sein. Wenn der Urlaub anstelle einer erholsamen zu einer frustrierenden Erfahrung geworden ist, sollte man sich zumindest im Nachhinein über seine Ansprüche Klarheit verschaffen und diese – nötigenfalls mit anwaltlicher Unterstützung – auch durchsetzen.

Mag. Balazs Esztegar LL.M. ist Rechtsanwalt in 1080 Wien und berät sowie vertritt vorwiegend kleine und mittel- ständische Unternehmen in Fragen des Wirtschaftsrechts, darunter auch Arbeitsrecht. Er ist Vortragender in mehreren Fortbildungsreihen für Unternehmer und darüber hinaus Ex- perte und Fachautor im Bereich Staatsbürgerschaftsrecht.

www.esztegar.at