Rechtstipp: Staatsbürgerschaft von Kindern

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass ein Kind automatisch und jedenfalls die Staatsangehörigkeit eines oder sogar beider Elternteile erhält. In dieser Frage halten sich Gerüchte ebenso hartnäckig wie das „gefährliche Halbwissen“.

Staatsbürgerschaft durch Abstammung

Kinder erwerben die österreichische Staatsbürgerschaft mit dem Zeitpunkt der Geburt durch Abstammung, wenn zu diesem Zeitpunkt zumindest ein Elternteil österreichischer Staatsbürger ist. Trifft das nur auf den Vater zu, ist Vorsicht geboten: Sind die Eltern nicht verheiratet, muss die Vaterschaft innerhalb von acht Wochen ab der Geburt vor dem Standesamt anerkannt oder gerichtlich festgestellt werden.

Kinder von unterschiedlichen Staatsangehörigen können durchaus Doppel- oder sogar Mehrfachstaatsbürger werden. Ob das Kind neben der österreichischen auch eine fremde Staatsangehörigkeit erwirbt, richtet sich auch nach den gesetzlichen Bestimmungen des fremden Staates und hier ist wieder Vorsicht geboten: Es ist nicht in jeder Rechtsordnung so, dass das Kind automatisch die Staatsangehörigkeit eines Elternteils erwirbt. Manche Rechtsordnungen verlangen beispielsweise eine Antragstellung durch die Eltern. Dem Kind wird dann in einem Einbürgerungsverfahren die fremde Staatsangehörigkeit verliehen. Das ist aber aus der Sicht des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes keine Staatsbürgerschaft durch Abstammung und kann für das Kind zum Problem werden.

Verlust der Staatsbürgerschaft

Wer freiwillig, also aufgrund einer Antragstellung, eine fremde Staatsbürgerschaft erwirbt, verliert nämlich die österreichische. Das gilt auch für Kinder. Ein unbedachter Verleihungsantrag der Eltern für eine fremde Staatsangehörigkeit kann zum Verlust der österreichischen Staatsbürgerschaft des Kindes führen. Auf diese Weise können Kinder bereits in den ersten Monaten ihres Lebens ihre österreichische Staatsbürgerschaft verlieren, wenn die Eltern ohne detaillierte Prüfung der Rechtslage die falschen Schritte (oder die richtigen Schritte in einer falschen Reihenfolge) setzen.

Beibehaltung der Staatsbürgerschaft

Dem Verlust der Staatsbürgerschaft kann man oftmals durch einen sogenannten Beibehaltungsantrag vorbeugen. Die Beibehaltung der Staatsbürgerschaft kann aber nur bewilligt werden, wenn ihr Verlust noch nicht eingetreten ist. Das bedeutet, dass jedenfalls vor der Annahme der fremden Staatsangehörigkeit ein rechtskräftiger Beibehaltungsbescheid vorliegen muss.

Mag. Balazs Esztegar LL.M. ist Rechtsanwalt in 1080 Wien und Experte für österreichisches Staatsbürgerschaftsrecht. Er ist einer der Herausgeber eines Kommentars zum Staatsbürgerschaftsgesetz und Autor des Kapitels Staatsbürgerschaftsrecht im WEKA-Handbuch Asyl- und Fremdenrecht, das jährlich mehrmals aktualisiert wird.

www.esztegar.at