Residenz als Alterssitz

Nach einem großen Umbau beherbergt das 1903 als K.u.K Militärgeografisches Institut errichtete Gebäude seit nunmehr über fünf Jahren die Senioren Residenz Josefstadt. Anlass für „der Achte“, mit der Direktorin Brigitta Hartl-Wagner ein Gespräch über die exklusive Residenz mitten im Herzen des Achten zu führen.

Als 2013 die Bagger beim Hamerlingpark rund um das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen auffuhren, wurde das mit großer Skepsis, ja Argwohn von der Bezirksbevölkerung beobachtet. Bis dahin konnte man hier, im Kartographischen Institut, die genauesten Landkarten der Stadt erstehen. Heute ist das Gebäude das Zuhause von über 50 Seniorinnen und Senioren. Die Residenz wird wie ein 5-Sterne-Hotel samt Concierge Services, exklusivem Restaurant und Park-Café, Fitnessraum, Ärzte-Zentrum sowie einer rund um die Uhr betreuten Pflegeabteilung geführt.

 

Direktorin Brigitta Hartl-­Wagner, Residenz Josefstadt

Direktorin Brigitta Hartl-Wagner war viele Jahre im 5-Sterne-Hotel Sacher tätig. Wir haben sie nach den Parallelen zu dem Haus am Ring gefragt. Der Architekt des Sacher, Wilhelm Fraenkel, hat auf der anderen Seite der Residenz in der Krotenthallergasse gearbeitet und gelebt. „Bei einem Besuch im Haus gegenüber musste ich schon schmunzeln, die Eingangshalle ist fast 1:1 wie die Lobby im Sacher.“

„Die größte Parallele ist, dass mein Team hochaufmerksam gegenüber den Bedürfnissen der Gäste ist. Unsere Bewohner*innen sind ebenfalls sehr international. Sie kommen aus Australien, England, den Niederlanden. Manche sind in der Josefstadt aufgewachsen und es hat sie in die weite Welt verschlagen. Jetzt im Alter kommen sie wieder heim, zurück in die Josefstadt. Wobei auch einige Josefstädter*innen die Residenz als Alterssitz sehr schätzen“, so die Leiterin Hartl-Wagner. „Es ist mir aufgefallen, dass die Josefstädter*innen mehr mit ihrem Bezirk verbunden sind, als das woanders der Fall ist. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Josefstadt den Charakter einer kleinen Stadt hat. Für unser Haus spricht, dass wir ausschließlich Altbauwohnungen anbieten. Viele unserer Residentinnen und Residenten sind in einem Gründerzeithaus aufgewachsen.“

Besonders stolz ist die Direktorin darauf, dass das Haus nun mit Leben gefüllt ist. „Als ich als Leiterin begonnen habe, war es ein ‚Geisterhaus‘ – eine Handvoll Bewohner*innen und ein winziges Mitarbeiter*innen-Team. Wir sind eines der kleinsten Seniorenhäuser in Wien, das ermöglicht uns, auf jede/n individuell eingehen zu können. Wärme, Herzlichkeit und ein sicheres und behagliches Zuhause bieten zu können, hat insbesondere in Zeiten wie diesen sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner als auch für mein Team einen enormen Stellenwert.“

 

Residenz Josefstadt

Das Haus am Hamerlingpark hat sich bereits als „Landmark“ etabliert. „Wir haben den Bezirk aufgewertet. Aus dem Hausensemble, das sich im Dornröschenschlaf befand, wurde ein wunderschönes offenes Haus geschaffen. Wir sind sozusagen in der Josefstadt angekommen. Vor Corona haben die Bezirksbewohner gerne unsere hochkarätig besetzten Kulturevents besucht und auch die Wirtschaft im Bezirk profitiert von uns. Wir sind nicht nur mit 45 Mitarbeiter*innen einer der größten Arbeitgeber im Achten, sondern kooperieren mit sehr vielen Josefstädter Unternehmen. Wir versuchen so viel wie möglich in der Josefstadt einzukaufen, wie den Blumenschmuck für das ganze Haus, die Lampen, schließen aber auch Kulturpartnerschaften, wie derzeit mit dem Englischen Theater.

Aufgrund von Corona ist alles leider etwas eingebremst, wir wünschen uns, dass es bald wieder eine Rückkehr zur Leichtigkeit im Alltag kommt, auch für die Weihnachtsfeiertage. Wir werden heuer auf der Terrasse einen großen Weihnachtsbaum aufstellen. Auf der Pflegeabteilung ist es mittlerweile Tradition, dass alle mithelfen beim Christbaumschmücken. Für Weihnachten haben wir uns heuer etwas ganz Besonderes einfallen lassen und alle sind mit  Begeisterung dabei – wir machen ein Engerl-Bengerl-Spiel. Das neue Jahr wird bei uns mit dem gemeinsamen Neujahrskonzert-Schauen sehr klassisch begrüßt. Natürlich dürfen dabei ein Glas Sekt und Brötchen nicht fehlen.“

Und was wünscht sich Direktorin Hartl-Wagner für die Zukunft? „Es gibt bei uns verschiedene Wohnmodelle. In letzter Zeit hat es sich sehr bewährt, dass jemand zum Beispiel nach einer Hüftoperation für ein paar Wochen unser Service in Anspruch nimmt, um dann wieder voll mobil nach Hause zurückzukehren. Darum schwebt mir so etwas wie eine City-Reha vor, aber das ist noch Zukunftsmusik!“

Studentenpaar gibt IT-Stunde und Sprachkurs, Therapiehündin Kimmy

Verschiedene Wohnformen

Insgesamt 54 Appartements von 40 bis 103 m2 stehen zur Anmietung zur Verfügung. Es gibt derzeit drei Wohnmodelle: „Aktiv Residieren“ mit individuell gestaltbaren Altbauappartements, Urlaubs- & Probewohnen in einem möblierten Appartement und betreutes Residieren mit Kurzzeit-, Langzeit- oder Übergangspflege. Zu den ersten beiden Wohnformen wird Halbpension mit einem 4-Gänge-Menü angeboten, alle Aktiv- & Kulturprogramme sowie die Nutzung der Bibliothek und der Therapie- & Bewegungsräume. Es steht ein 24-Stunden-Notruf-Bereitschaftsdienst zur Verfügung und es befindet sich ein Ärzte- & Gesundheitszentrum im Haus.

▶ Residenz Josefstadt
individuelle Führungen unter +43 1 890 24 64 info@residenz-josefstadt.at
www.facebook.com/residenzjosefstadt
www.residenz-josefstadt.at

 

Kunst und Kultur

Regelmäßig kommen Künstlerinnen und Künstler für Auftritte in die Residenz, wie Herbert Föttinger oder Heinz Marecek. Am 10. März soll Manuel Rubey aus seinem ersten Buch „Noch einmal schlafen, dann ist morgen“ lesen.

Zu den Vorträgen, Lesungen oder Konzerten sowie zum monatlichen Sonntagsbrunch mit Klavierbegleitung wurde in der Vor-Coronazeit auch die Bezirksbevölkerung eingeladen. Im Sommer wurden die Darbietungen nach draußen verlegt. So fand zum Beispiel ein VeloConcert mit der Sängerin Sandra Pires und dem Gitarristen Jonas Skielboe statt. Der gebürtige Däne Skielboe ist mit seinem E-Lasten-Bike vorgefahren und hat im Garten der Senioren Residenz Josefstadt seine Bühne aufgeschlagen – der kulturelle Höhepunkt im heurigen Coronafrühling.

IT-Stunde und Sprachkurs

Seit zwei Jahren wohnt ein Studentenpaar, das sich unter anderem in der Coronazeit um spezielle Einkäufe für die Resident*innen kümmert, ebenfalls in der Residenz. Wolf ist Informatikstudent und gibt regelmäßig eine ­„IT-Stunde“, die gerne von den Senioren für Handy-, Tablet- oder Computerprobleme in Anspruch genommen wird. Aurora kommt aus Italien, die sprachenaffine Studentin plant gerade neben einem bereits etablierten Englischkurs auch einen Italienischkurs für ihre Residenz-Mitbewohner*innen.

Hundeliebe

In der Residenz am Hamerlingpark wird ein besonderes Service geboten: das Arbeiten mit der Therapiehündin Kimmy. Seit September hat Kimmy regelmäßig Dienst. Sie eroberte wie im Flug die Herzen der Seniorinnen und Senioren. Der ausgebildete Therapiebegleithund wird zur Interaktion mit Menschen mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Defiziten erfolgreich eingesetzt. Kimmy liebt die Streicheleinheiten ihrer betagten Patient*innen und generell sind Hunde in der Residenz auch als Mitbewohner willkommen.