Schau dich satt

Zu den Highlights im Josefstädter Kulturkalender gehören die Atelierrundgänge mit dem Titel „Im Achten herum“.

Das Spektrum der zeitgenössischen Kunst im Achten kennenlernen, den Künstlerinnen und Künstlern persönlich begegnen oder einfach in Ruhe in ein Kunstwerk eintauchen: Das kann man von 23. bis 25. September bei den 11. Josefstädter Atelierrundgängen.

Von Elisabeth Hundstorfer

Der Obmann des Kulturvereins Freundinnen und Freunde der Josefstadt, Walter Kanov, hat diese Rundgänge viele Jahre mit seiner Frau Libuša organisiert. Heuer wird er von Katharina Daria Prazuch (KDP) unterstützt. „Es ist wunderbar, mit Katharina zu arbeiten, sie ist selbst eine tolle Künstlerin und ist der Materie dadurch viel näher als jemand, der selbst nicht die ,andere Seite‘ kennt“, zeigt sich Walter Kanov erfreut.

Katharina Daria Prazuch war schon sehr früh Gewinnerin des vom Europäischen Forum Alpbach und der Albertina ausgeschriebenen renommierten Jugend-Zeichenwettbewerbs. Im Streben nach einer eigenwilligen Zeichensprache legt sie ihren Fokus auf die Bleistiftzeichnung. Detailfreudig kombiniert die im polnischen Wrocław geborene Künstlerin körperliche Darstellungen mit Einflüssen aus Musik, Mode, Mythologie, Natur, Wissenschaft und Cyberpunk. Erstmals sind Werke von KDP bei „Im Achten herum“ zu sehen, und zwar in der Gruppenausstellung im Volkskundemuseum. Am selben Ort sind auch Kanovs in Rakeltechnik hergestellte großformatige Acrylbilder zu bewundern.

Am Freitag, dem 23. September, steigt um 19 Uhr die große Eröffnung mit allen teilnehmenden Künstler:innen – das sind heuer so viele wie noch nie, nämlich über 30! – und die Kultband Lost Compadres sorgt musikalisch mit flottem Americana für gute Laune und ausgelassene Partystimmung. Der Atelierrundgang selbst startet am Samstag.

Als „geheimer“ Höhepunkt vor der offiziellen Eröffnung am Freitag öffnet einer der „Großen“ in der Josefstadt, der Maler und Objektkünstler Ulrich Gansert, von 15 bis 18 Uhr sein Atelier in der Pfeilgasse 5/5.

Eine zweite junge Künstlerin, die heuer ebenfalls zum ersten Mal bei den Atelierrundgängen ausstellen wird, ist Cara Christina Königswieser. Gearbeitet wird in der Stolzenthalergasse und ausgestellt in unserer „derAchte“-Redaktion. Die junge Josefstädterin über ihre Arbeit: „Das Einzige, bei dem ich mich uneingeschränkt wohlfühlen kann, ist das Zeichnen. Ich habe schon immer gezeichnet, aber richtig angefangen habe ich 2017. Im Gegensatz zu jetzt könnte man fast meinen, dass die ersten Zeichnungen nur Skizzen sind. Mit ,VogelNacht‘ habe ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wirklich in eine andere Welt zu gehen, und hab mir gedacht: Ich mag das, da will ich sein. So hat ,schauDichSatt‘ angefangen. Zuerst habe ich nur auf A5 gezeichnet, weil ich nicht genug im Kopf ,gesehen‘ habe. Aber mit der Zeit wollte ich immer mehr und mehr von dieser Welt sehen und bin dann auf A4 – zwei Bilder sogar auf A3 – gewachsen.

Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, in diese Welt reinzuschauen, es hat schon fast was Voyeuristisches an sich, wenn ich in die Lebensräume der Leute schau, wie sie leben, miteinander und der Welt. Es ist natürlich eine utopische Fantasie, in der alles miteinander und nicht voneinander oder gar gegeneinander lebt. Raum wird respektiert und geteilt. Weil ich doch auch gerne Teil der Welt sein würde, verstecke ich etwas Persönliches in den Bildern. Weil meine Zeichnungen und das Zeichnen das sind, was mir – neben meiner Familie – am wichtigsten ist, will ich meine Originale nicht hergeben, deshalb biete ich Drucke an“, so die junge Künstlerin.

Natürlich sind auch wieder altbekannte Josefstädter Künstler:innen dabei, etwa Jagoda Lessel. Auch sie wohnt und arbeitet in der Stolzenthalergasse. Seit 1999 ist die Künstlerin mit einer regen Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland vertreten.

„Mein Beruf als Physiotherapeutin hat mich gelehrt, dass das Leben Bewegung ist, aber Bewegung auch Leben bedeutet. Ein abwechslungsreiches Leben ist eine bunte Bewegung. Eine Farbe im Leben ist eine Bereicherung, aber auch: Begrenzung, Geständnis, Erkenntnis, Spiegel des Unbewussten und Spontanen.“ Bei ihrem letzten Besuch in der „derAchte“-Redaktion hat Lessel stolz Zeichnungen ihrer kleinen Enkelin gezeigt – für künstlerische Nachwuchstalente ist in der Josefstadt also gesorgt.

Ums Eck von unserer Redaktion befindet sich das Atelier von Lisa Est, die diese besondere „Schatzkammer“ am Freitag und Samstag für Kunstliebhaber:innen öffnet. In allen Bereichen ihrer Arbeit – Zeichnungen, Druckgrafiken, Objekte und Animationsfilme – thematisiert sie den menschlichen Körper und seine Ausdrucksmuster. Derzeit arbeitet Est intensiv an ihrem neuen Animationsfilm, der Ende Herbst präsentiert werden soll.

Ein paar Schritte weiter, in der Pfeilgasse, befindet sich das Atelier von Sylvia Fischer und Udo Hohenberger. Die beiden machen vor allem großformatige Bilder, bei denen ebenfalls der menschliche Körper im Mittelpunkt steht.

„Über den schweren Umweg der Bildhauerei hat der Künstler Michl Herberstein zu den Bildern gefunden. Oft ist es wichtig, das Nahe zu entfernen, um sich aus der Ferne dem Gewohnten neu zu nähern“, schrieb Leo Hemetsberger anlässlich einer Ausstellung im „Kandinsky“. Seit 2008 arbeitet Herberstein gemeinsam mit dem Oberton-Musiker und Instrumentenbauer Hans Tschiritsch im Atelier in Wien 8. Dort, im Kunstverein Klangwerk, sind nicht nur Herbersteins Arbeiten unter dem Titel „Krieg und Frieden. Tusche auf Papier“ zu sehen, sondern am Samstag um 18 Uhr gibt es unter dem Motto „TuWIENERische Gesänge“ auch ein Konzert von Pamelia Stickney & Chi Rich.

Sabina Köhlmeier, vielen auch als Sabine Smiljanic bekannt, ist ebenfalls wieder bei „Im Achten herum“ dabei. „Mein Atelier auf der Josefstädter Straße feiert demnächst 20-jähriges Bestehen. In meinen Arbeiten setze ich mich mit figurativ abstrakter Malerei auseinander“, so die vielseitige Künstlerin, die derzeit auch bei den Restaurierungsarbeiten im Parlament viel beschäftigt ist.

Mit ihrer Ateliernachbarin Erika Seywald ist eine der renommiertesten Künstlerinnen des Achten mit von der Partie. Über das Gesicht, über den Kopf lassen sich die Figuren von Erika Seywald – nicht immer auf den ersten Blick – erkennen. In einem abstrakten Bildraum sind Körper, Kleider, Licht, Schatten und Zwischenräume gleich gewichtet.

Das „Im Achten herum“-Septemberwochenende ist eine Einladung zum Kunstgenuss an alle, die sich ein Bild vom heimischen Kunstgeschehen machen und die Künstler:innen, die dahinterstehen, persönlich kennenlernen möchten.

▶ „im Achten herum“
23/09/2022: Atelierrundgang. Beginn: 19h, Volkskundemuseum. 8., Laudongasse 15–19
24+25/09/2022: Offene Ateliers im 8. Bezirk
www.kultur-josefstadt.at