Sichtbar machen …

Rosa Andraschek, Jahrgang 1995, studiert an der Angewandten ortsbezogene Kunst.

Von Nadja Riahi

Ihr Politikwissenschaft-Studium an der Universität Wien war der jungen Frau zu wenig: „Nur wissenschaftlich zu arbeiten, habe ich als limitierend empfunden. Ich wollte mein Wissen erweitern und habe mich für die Kunstuniversität beworben. Grob gesagt setze ich mich inhaltlich mit Räumen und Orten auseinander – und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise“, erklärt die Josefstädter Künstlerin.

Für ihre Projekte greift Andraschek häufig zur Fotografie. Ein Beispiel: „Das Projekt ‚412 Namen‘, das ich seit 2018 verfolge, ist eine Auseinandersetzung mit einem ehemaligen KZ-Außenlager in Hirtenberg, in dem Frauen Zwangsarbeit verrichteten. An diesem Ort gibt es bis heute kein öffentliches Erinnerungszeichen. Ich habe versucht, das mithilfe unterschiedlicher Strategien sichtbar zu machen.“ Zu den Strategien gehören Fotografien, die Namensnennung und die temporäre Markierung der Lagerbaracken. Andraschek arbeitet im Rahmen ihrer Projekte auch mit Historiker:innen zusammen. „Aber nicht nur“, ergänzt sie. „In Hirtenberg war der Kontakt zu den Menschen im Ort sehr wichtig. Es gab dort eine Person, die Interesse hatte, mit mir das Projekt zu realisieren.“

Bild 1: eine Landschaft mit Baum und einer von Büschen verdeckter Holzhütte, Bild2: eine junge Frau mit kurzen Haaren steht vor einer geschlossen Tür, neben Ihr ein Fenster mit Fensterbank

Im Oktober 2021 wurde Rosa Andraschek im Leopold Museum mit dem Ö1-Talentestipendium für bildende Kunst ausgezeichnet, das sie aufgrund eines mehrmonatigen Studienaufenthalts in Israel jedoch nicht persönlich entgegennehmen konnte.

Ihre neue Ausstellung „Landschaftsbilder, in Einzelbilder zerlegt, wie Postkarten, wechseln einander ab“ ist bis 15. April 2022 im Rahmen der Foto Wien im puuul space im Achten zu sehen. Am 24. März 2022 um 19.00 Uhr sprechen Rosa Andraschek und Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek über Gedenken als künstlerisches Thema und österreichische Vergangenheitspolitik.

▶ 24/03–15/04/2022. www.puuul.space

▶ Bis 26/06/2022. Gruppen-Ausstellung mit Rosa Andrascheks Werken
„Gegen den Strich Interventionen im Öffentlichen Raum“. MUSA des Wien Museums. 1., Felderstraße 6–8 www.wienmuseum.at