So ein Theater mit Claus P.

Voller Elan und noch gar nicht müde starten Wiens Theater ins letzte Drittel der Saison – auch wenn dieses infolge der Sperren wegen des Coronavirus nun kürzer ausfallen wird als geplant. Vor der Sommerpause dürfen wir uns hoffentlich dennoch auf einige Premieren, Dauerbrenner und Gastauftritte auf den vielfältigen Bühnen in der Josefstadt freuen. Wir haben die Highlights für Sie zusammengestellt. (Alle angeführten Termine laut Stand zum Redaktionsschluss)

von Caro Wiesauer

Theater in der Josefstadt

Als Höhepunkt der Saison ist es dem Traditionshaus gelungen, Claus Peymann zu engagieren. Der deutsche Theaterregisseur ist dem Wiener Publikum noch gut als Burgtheater-Intendant (1986– 1999) in Erinnerung. Mit Thomas Bernhards „Heldenplatz“ löste er 1988 einen der größten Skandale in der österreichischen Theatergeschichte aus.

Für die Josefstadt war ursprünglich Thomas Bernhards „Ein Fest für Boris“ geplant, doch hat es sich der Gast anders überlegt: Aus aktuellem Anlass sollen es nun Bernhards unter dem Sammeltitel „Der deutsche Mittagstisch“ zusammengefasste Dramolette werden. Peymann hatte diese grotesken Miniaturen 1987 am Lusterboden des Burgtheaters aufführen lassen. Jetzt serviert er die „Suppe, bei der lauter Nazis zum Vorschein kommen, wenn man sie auslöffelt“, just in jenem Haus, das er selbst einmal als „das Schlaf- und Schnarchtheater Wiens“ bezeichnet hat. Premiere soll am 4. Juni sein und man ist auf Peymanns heutige Sicht auf den Autor gespannt: „Bernhard hat noch einen Stachel. Er muss noch einen Stachel haben. Es darf nicht sein, dass auch er nur noch als Süßspeise konsumiert wird.“ (Peymann von A–Z).

Doch bis dahin locken noch andere Bühnenkostbarkeiten ins Theater in der Josefstadt. Die für 12. März geplante Premiere von „Geheimnis einer Unbekannten“ musste auf 9. April verschoben werden: Die Adaptierung und Inszenierung von Stefan Zweigs Novelle „Brief einer Unbekannten“ von Oscar-Preisträger Christopher Hampton wurde von Erfolgsautor Daniel Kehlmann übersetzt; die Rolle der Marianne, von deren tragischer Liebe zu einem Schriftsteller der Brief berichtet, übernimmt Martina Ebm, den Schriftsteller gibt Michael Dangl. Ebm debütierte 2014 als Kathi in „Der Zerrissene“ am Haus und war seither mehrmals in der Josefstadt und in den Kammerspielen zu sehen. Dem TV-Publikum ist sie als – mittlerweile ausgestiegene – Caro in der Serie „Vorstadtweiber“ bekannt.

Für 3. April war die Premiere von Hermann Bahrs Lustspiel „Das Konzert“ geplant: Das über 100 Jahre alte Erfolgsstück wird von Janusz Kica inszeniert. Der in Polen geborene Regisseur arbeitet seit 1999 regelmäßig am Haus. In den Hauptrollen werden Hausherr Herbert Föttinger als Pianist Gustav Heink und seine Frau Sandra Cervik als Marie zu sehen sein.

Kabarett Niedermair

Die kleine Bühne, seit 1983 Wiege und Sprungbrett zahlreicher Kabarettgrößen, ist in der Programmgestaltung zukunftsweisend und entdeckungsfreudig wie eh und je. Während tagsüber für Kinder Theater gespielt wird (siehe Seite 12), heißt es abends „Bühne frei!“ für bekannte Größen ebenso wie für Shootingstars und Nachwuchstalente. Altmeister wie Roland Düringer (13. April), Martin Puntigam (17. April und 15. Mai), Mike Supancic (1./2. Mai) oder Manuel Rubey (14. Mai) sind gern gesehene Gäste im Niedermair. Die Zeiten, in denen Kabarett und Comedy als Männerdomäne galten, sind hier allerdings lange vorbei:

„Frisch, zeitgeistig, hochkomisch und blitzgescheit“: Hymnische Kritiken erntet das Duo Nicole und Birgit Radeschnig seit Jahren. Die Kärntner Zwillingsschwestern mischen seit 2010 (damals gewannen sie den „Grazer Kleinkunstvogel“) mit viel Humor und Musik die deutschsprachige Kabarettszene auf. Sie präsentieren am 6. April ihr aktuelles Programm, das 2019 mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde: „Mit ihrem fünften Programm ,Doppelklick‘ haben RaDeschnig ihrem bislang ausnahmslos außergewöhnlichen kabarettistischen Œuvre eine würdige Krone verpasst“, lautete das Fazit der Jury.

Als „neuer Stern am deutschsprachigen Kabarett- und Comedy-Himmel“ wird die Wienerin Mika Blauensteiner gefeiert. Nach internationalen Engagements in verschiedenen Sparten kehrte das Multitalent zurück auf die Bühne, gab mit Barbara Balldini ihr erfolgreiches Kabarett-Debüt in „Freudenmädchen“ und steht seit 2019 auch solo auf der Bühne. In „Miss Verständnis“ (27. April) erzählt sie alltägliche Geschichten mit viel Witz und Chuzpe.

Ebenfalls mit einem ersten Solo geht Ulrike Haidacher am 6. Mai aufs Ganze, und man sollte sich vom poetischen Titel „Aus Liebe“ nicht irreführen lassen. Denn obwohl ihr Programm laut Kritik „unsagbar lustig“ ist, greift die Steirerin dabei auch schmerzhafte Themen wie Opferrollen und falsch verstandenen Feminismus, Diskriminierung und Doppelmoral auf. 2017 wurde sie als Teil des Theaterkabarett-Duos „Flüsterzweieck“ mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet, für 2019/20 erhielt sie das Startstipendium für Literatur des BKA.

Sonja Pikart nutzt ihr komödiantisches Talent, um in ihrem zweiten Programm „Metamorphosen“ Einblick in das menschliche Schubladendenken zu geben. Die aus Aachen stammende und in Wien lebende Künstlerin stellt mit Mut und Kreativität heutige Fragen nach Identität und „verhandelt damit große gesellschaftliche Anliegen auf pointierte und kluge Weise“ (Juryurteil beim Kabarettpreis 2019/Kategorie Förderpreis). Zu sehen am 9. Mai.

Dem Wahnsinn der heutigen Zeit widmet sich die studierte Psychologin Vera Deckers (29. Mai) nicht nur anhand von wissenschaftlichen Studien. „Mit Wortwitz gegen Wahnsinn“ lautet das Credo der Kölnerin und ihr Publikum findet das „zum Schreien komisch“. Wer nach dem Abend „Wenn die Narzissten wieder blühen“ noch nicht genug von ihr hat, kann bei der aus Fernsehformaten wie dem „Quatsch Comedy Club“ oder „Ottis Schlachthof “ bekannten Kabarettistin auch ein Seminar buchen. Sie leistet dabei Übersetzungsarbeit für alltägliche Kommunikationskonflikte.

Klettenheimers KleinKunstCafé

Zu einem echten Dauerbrenner hat sich hier „Die Abenteuer des Perikles“ entwickelt, ein Spektakel für zwei Komödianten nach Shakespeare. Seit November 2019 am Spielplan, wurde die Aufführungsserie aufgrund des Erfolgs vorläufig bis in den April verlängert. Bei Klettenheimers wird Kleinkunst noch großgeschrieben: Marie Mandelbaum und Jörg Klettenheimer schlüpfen nicht nur in mindestens 20 Rollen – sie schreiben ihre Stücke selber, komponieren die Musik und stehen nebenbei auch noch hinter der Bar.

THEATER IN DER JOSEFSTADT. Josfestädter Straße 26. +43 1 42700-300. www.josefstadt.org

KABARETT NIEDERMAIR. Lenaugasse 1a. +43 1 408 44 92. www.niedermair.at

KLETTENHEIMERS KLEINKUNSTCAFÉ. Lederergasse 17a. +43 1 4025478. www.klettenheimers.com