The Sound of Death + Abschied

Seit Dezember 2021 bin ich Trauerredner, erstelle und halte Nachrufe auf Verstorbene und spreche letzte Worte, wenn Menschen zur ewigen Ruhe gebettet werden.

Abgesehen von biografischen Implikationen – mein Opa, ein Schneider, würde sich scheckiglachen, dass ich, der Punk, nun einen Anzug als Arbeitskleidung trage, diesen als „Rüstung“ zu schätzen weiß und ständig einen Kamm dabei habe – ist die Aufgabe fordernd und lohnend. Mehr als alles andere erlebe ich meinen Beruf als lebensbeja- hend und sinnvoll – was da geschieht in den Hallen und an den Ruhestätten, bei den vielen Abschieden, die in dieser Stadt begangen werden, wird einfach gebraucht.

Das hat recht starre Abläufe und Mechanismen, die ich nicht an sich in Frage stellen möchte. Helfen diese doch Hinterbliebenen und Menschen wie mir, die an deren ritualisiertem, nach außen gekehrtem Umgang mit dem Tod beruflich und essenziell mitwirken, klar und würdig durch diesen traurigen, emotionalen Anlass zu gehen. Was mit- unter erstaunt, ist, wie bei einem so individuellen Thema wie Tod – wir alle sterben genau einmal! – und Abschied eine überschaubare Anzahl von Gedichten und Musikstücken zum Einsatz kommt. Dabei werde ich mich hüten, dies prinzipiell zu kritisieren. Alles, was im Zusammenhang einer Trauerfeier Menschen hilft, mit der Situation und mit ihren komplexen Gefühlen umzugehen, ist in diesem Kontext absolut und nachhaltig in Ordnung und „richtig“.

Zwei Aspekte sind es aber, die mich beschäftigen. Etwa wie sehr die Vorstellung der Form einer Trauerfeier von etwas geprägt ist, was der Begriff „Einsegnungsordnung“ beschreibt. Dabei will ich nicht am Anspruch von Kirchen rühren, die Menschen, die an sie glauben, hierbei zu begleiten. Warum aber Menschen, die diesen das nicht zugestehen, sich in Trauer und Abschied nicht nachhaltiger davon lö- sen, ist bedenkenswert. Und weiter, wie sehr Tod und Abschied mehrheitlich immer noch an den Rand der Wahrnehmung gedrängt scheinen. Als ob sie völlig überraschende, unvorhersehbare Ereignisse wären – sind sie nicht! Das führt gedanklich schnell weiter zu Michel de Montaigne: „Sterben lernen heißt leben lernen.“ Dazu trägt jede Auseinandersetzung mit Tod und Abschied bei, was dann wieder zur Frage führen muss, warum Sterben und Abschiede so vieler Menschen auf diesem Planeten schlicht und brutal vor sich gehen – Abbild von Leben, die unter so ganz anderen Bedingungen als unsere sicheren und privilegierten stattfinden.

Unser Musikredakteur Rainer Krispel ist seit knapp einem Jahr hauptberuflich als Trauerredner tätig.

Bestattungsmuseum

Das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof gibt Einblicke in die Bestattungs- und Friedhofskultur der vergangenen Jahrhunderte. Unter der historischen Aufbahrungshalle 2 ist ein modernes, interaktives Museum entstanden. Die Besucher:innen erfahren in 30 Stationen viel Wissenswertes über das Bestattungswesen und die Geschichte der Wiener Friedhöfe. Videos zeigen unter anderem das Begräbnis von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1916. Über den Wandel der Gräber im Lauf der Zeit kann man sich in einer Sonderausstellung informieren.

▶ Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof
Unter der Aufbahrungshalle 2 (nächster Eingang über Tor 2: 11., Simmeringer Hauptstraße 234). +43 1 76067, bestattungsmuseum@bfwien.at, www.bestattungsmuseum.at

Frauen am Zentralfriedhof

Der Rundgang am Zentralfriedhof zu den „Frauen, die Geschichte(n) schrieben“ mit Fremdenführerin und Journalistin Sandra Schäfer führt zu den letzten Ruhestätten berühmter oder einst bekannter Wienerinnen: vom ersten Ehrengrab für eine Frau, das für die Weltreisende Ida Pfeiffer errichtet wurde, über die Begräbnisstätten für die Lyrikerin Betty Paoli und die Filmdiva Hedy Lamarr bis hin zu den Grabstellen der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky und der Politikerinnen Adelheid Popp und Johanna Dohnal.

▶ Treffpunkt: Zentralfriedhof, Tor 2 gegenüber Infopoint. Tourdauer: ca. 2 bis 2 1⁄2 Stunden; Sprachen: Deutsch und Englisch.
Nächster Termin: 2. Oktober, 10.30 Uhr (deutsch).
Anmeldung: sandra.schaefer@kulturfuechsin.at

Wo ist dein Bruder? Gebet für Menschen auf der Flucht

Das Pfarrnetzwerk Asyl will mit einem regelmäßigen Gebet die Verbundenheit und Solidarität mit Menschen auf der Flucht zum Ausdruck bringen. Die Menschen fliehen vor Gewalt, Krieg und Terror, haben keine Perspektive auf ein menschenwürdiges Dasein und riskieren auf der Flucht nur allzu oft ihr Leben.

Die Gebetszeit ist jeweils Donnerstag von 18 bis 18.30 Uhr. Nächste Termine in der Pfarre Breitenfeld: 9. September, 28. Oktober, 16. Dezember

▶ Pfarre Breitenfeld. 8., Florianigasse 70. +43 1 4051495, pfarre@breitenfeld.info, www.breitenfeld.info

Seelsorge im AKH

Für Patient:innen und Angehörige im AKH möchten die Seelsorger:in- nen der katholischen und der evangelischen Kirche, der orthodoxen Kirchen, der Altorientalischen Kirchen/Koptisch-Orthodoxen Kirche, die Mitarbeiter:innen der islamischen Seelsorge, der Jüdischen Religiö- sen Betreuung und der Buddhistische Krankenbegleitung da sein. Sie nehmen sich Zeit, um zuzuhören und über Sorgen zu sprechen, und begleiten die Patient:innen entsprechend deren Glauben bzw. stellen weitere Kontakte zu den jeweiligen Religionsgemeinschaften her.

▶ In der Regel findet freitags um 12 Uhr eine ökumenische Mittags- andacht statt. www.akh-seelsorge.at