Trau dich, mach es! in der Josefstadt

Gründerinnen in der Josefstadt? Diese Frauen haben Projekte umgesetzt, die allesamt eine sinnvolle, nachhaltige oder soziale Komponente aufweisen.

Ob Nagelstudio, Vereinslokal oder feministischer Podcast: Eine Idee umzusetzen, ein Business auf die Beine zu stellen oder ein eigenes Medium zu starten, all das birgt Herausforderungen und erfordert eine gehörige Portion Mut.

Dies ist die Geschichte von Frauen, die ihr eigenes Ding machen. Dabei setzen sie auf sich selbst und ihre Ideen.

Von Nadja Riahi

Beatrice Frasl ist vor Kurzem aus Neubau in die Josefstadt gezogen. Frasl beschreibt sich selbst als Aktivistin in den Bereichen Feminismus und psychische Gesundheit. Ihr Podcast „Große Töchter“ erscheint alle zwei Wochen, die einstündigen Interviews haben allesamt eine feministische Komponente. „Mein Ziel war es, Leuten eine Bühne zu geben, auf der sie über ihre Projekte sprechen können“, sagt sie. Dabei möchte sie „die gesamte Bandbreite an Feminismus und feministischen Projekten und Ideen abbilden“. Dafür werde sie auch oft kritisiert: „Ich zeige verschiedene Feminismen, denn es gibt nicht DEN einen Feminismus. Ich selbst verstehe mich als linke Feministin, habe aber auch Maria Rauch-Kallat interviewt, die sich als bürgerliche Feministin versteht.“

Seit Jänner ist Frasl mit ihren Projekten selbstständig. „Neben meinem Podcast unterrichte ich ab und zu an der Uni, schreibe für journalistische oder wissenschaftliche Publikationen und habe eine Kolumne im ,Futter‘, die ‚Entstörungsbericht‘ heißt“, erzählt Frasl. „Große Töchter“ ist für Hörer*innen gratis, der Podcast finanziert sich hauptsächlich durch Personen, die auf der Plattform Steady ein monatliches Abo abschließen können, um die Gestalterin zu unterstützen. „Wenn ich für eine Zeitung arbeite und jemand ein Abo kündigt, dann bekomme ich das nicht mit. Wenn aber jemand auf Steady ein Abo kündigt, dann spiegelt sich das unmittelbar auf meinem Konto wider“, schildert Frasl und sagt abschließend: „Bis jetzt bin ich nur gewachsen – ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt.“

Beatrice Frasl (l.) ist Host des feministischen Podcasts „Große Töchter“. Julia Kefer (r.) hat den Instagram-Kanal @juliaflowsgreen ins Leben gerufen.

Ebenfalls wohnhaft im Achten ist Julia Kefer. Sie betreibt seit Anfang des Jahres den Instagram-Kanal @juliaflowsgreen, ein Projekt, das während des zweiten Lockdowns entstanden ist. „Ich bin viel auf Instagram unterwegs und immer auf der Suche nach Accounts, die mich inspirieren und weiterbringen. Irgendwann kam dann der Gedanke: Warum nicht selbst einen Kanal eröffnen?“, sagt Kefer. Mit ihrem Instagram-Account @juliaflowsgreen will die Yogalehrerin, die gerade eine Ausbildung zur diplomierten Ernährungstrainerin absolviert, ihren Follower*innen dabei helfen, ihr alltägliches Leben zu verbessern: „Ich möchte mit meinem Projekt einen Mehrwert schaffen. Mein Content ist sehr lösungsorientiert. Jeden Montag startet ein neues Thema, das so individuell ist wie das Leben selbst.“ Dabei verfolgt sie einen „ganzheitlichen“ Ansatz. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch Körper, Geist und Seele hat und diese in Einklang bringen sollte. Auf dieses Konzept stützt sich auch mein Content. Ich bin von jedem Post zutiefst überzeugt“, so die Neo-Instagrammerin abschließend.

Ein neues Konzept entwarfen auch Julia Fodor und Katharina Hingsammer mit ihrem Store Babetown in der Piaristengasse. „Babetown ist – wie wir immer sagen – ein Beauty Concept Store. Wir sind eine Mischung aus Nagelstudio und Hangout-Spot. Außerdem haben wir auch einen Shop, in dem wir unsere Babetown-Produkte verkaufen“, sagen die beiden Gründerinnen. Der Gründungsprozess war für die langjährigen Freundinnen mit Herausforderungen verbunden. „Da unser ganzes Konzept ja etwas Neues war, war es nicht so einfach, alle Informationen und Regeln herauszufinden. Etwas, das für uns ebenfalls eine recht große Herausforderung war, war die Suche nach Mitarbeiter*innen. Wir hatten und haben sehr hohe Erwartungen und wollen unseren Kund*innen das bestmögliche Erlebnis und Ergebnis bieten“, sagen Fodor und Hingsammer. „Was Nachhaltigkeit betrifft, achten wir darauf, unsere Produkte – sofern das geht – regional zu beziehen. Wo es möglich ist, lassen wir auch in der Umgebung produzieren.“

Zwei junge hübsche Frauen

Katharina Hingsammer und Julia Fodor sind die Gründerinnen von Babetown.

Babetown war gerade einmal drei Monate geöffnet, bevor es für alle in den ersten Lockdown ging. „So gesehen ist die ‚Krisenzeit‘ für uns praktisch die Normalität und wir kennen noch gar nicht viel anderes“, so Fodor. „Die (bürokratischen) Herausforderungen wie Kurzarbeit, Home-Office und der Ausbau des Babetown-Online-Shops galt es während des ersten Lockdowns zu meistern“, ergänzt Hingsammer. Trotzdem versuchen die beiden, positiv zu bleiben. „Wir glauben, dass es immer eine Lösung gibt“ sagen die beiden Gründerinnen und ergänzen abschließend: „Wir sind mehr als ‚nur‘ ein Nagelstudio, ein Kaffeehaus oder Shop, wir sind das alles in einem.“

Apropos „alles in einem“: Ein recht neues Projekt in der Josefstadt ist das Lokal
OIS.IN.AN auf der Lerchenfelder Straße, das durch die „Bildungsinitiative für benachteiligte Mädchen – Free Girls Movement“ gestartet wurde. Die Mitbegründerinnen Miriam Baghdady und Barbara Pöll möchten mit OIS.IN.AN einen „Safe Space“ schaffen, in dem Mädchen nicht diskriminiert werden und lernen können. „Es ist ein soziales Projekt, das eine nachhaltige Komponente hat und Arbeitsplätze schafft. Wir haben nach etwas gesucht, mit dem wir auch unsere zukünftigen Projekte finanzieren können“, sagt Baghdady. Die Speisen sind vegetarisch und vegan. „Wir versuchen soweit wie möglich regionale und saisonale Produkte zu nutzen“, ergänzt Pöll. „Für die Zukunft planen wir einen Pop-up-Store zu machen und möchten im Keller Seminare und Workshops veranstalten“, so Baghdady. Die Reaktionen auf OIS.IN.AN seien bis jetzt durchwegs positiv. „Es ist wirklich toll zu sehen, wie offen die Leute reagieren und sich freuen, dass es etwas Neues und auch etwas anderes gibt“, zeigt sich Pöll begeistert. Ihre Partnerin Baghdady ergänzt: „Ich glaube, es gibt nicht so viele Projekte, die diesen sozialen Aspekt mitberücksichtigen. Wie Barbara sagt, es gibt sehr viele positive Reaktionen, was uns sehr freut.“

Dies ist die Geschichte von Frauen, die ihr eigenes Ding machen. Auf die Frage, was sie anderen Frauen raten würden, die ein eigenes Projekt starten wollen, sagen alle geschlossen: „Trau dich und mach es.“

Babetown

Zu Babetown kann man kommen, wenn man sich gerne ausgefallene, moderne Nail-Art oder auch schlichte Mani- oder Pediküre machen lässt und davor/währenddessen/danach gerne entspannt einen Kaffee oder Rosé trinkt, sagen die Gründerinnen Julia Fodor und Katharina Hingsammer. ­Babetown ist ein „Beauty Concept Store“ in der Piaristengasse. Kund*innen können dort auch verschiedene Produkte kaufen: Coffee-to-go-Becher, T-Shirts und Pullover, Wein, aber auch Nail-Art-Sticker und Nagellacke.
▶ babetown. Piaristengasse 17. Onlineshop: shop.babetown.at

„Große Töchter“-Podcast

Der Podcast „Große Töchter“ erscheint jede zweite Woche. In einstündigen Interviews spricht die Gestalterin Beatrice Frasl mit Frauen (aber auch Männern), die zum Thema Feminismus forschen, publizieren oder aktivistisch unterwegs sind. Sie möchte damit „die Bandbreite an Feminismus abdecken“ und die Themen so einfach erklären, dass jeder/r sie versteht. Im Format „Bea’s Senf“ kommentiert sie aktuelle Ereignisse und Themen. „Große Töchter“ ist Frasls drittes Podcastprojekt und das erste, das „so richtig eingeschlagen“ hat. Gestartet wurde Anfang 2018. Verfügbar auf Spotify, Apple und Google Podcasts.
grossetoechter.podbean.com

Juliaflowsgreen

Mit ihrem Instagram-Account @juliaflowsgreen möchte Julia Kefer ihren Follower*innen dabei helfen, ihr alltägliches Leben zu verbessern. Kefer setzt sich für mehr Realität auf Social Media ein und behandelt Themen wie Akne, Zukunftsangst und Liebeskummer. Eine wichtige Komponente ihres Inhalts sind kurze Yogavideos, außerdem findet man auf „juliaflowsgreen“ informative Beiträge zu Gesundheit, Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung. Dabei steht jede Woche unter einem neuen Überthema. Das Projekt entstand im Herbst 2020, seit Jänner 2021 ist der Account online.

OIS.IN.AN.

Das Vereinslokal OIS.IN.AN ist, wie der Name schon sagt, „alles in einem“: Arbeitsplatz, soziales Projekt und Ort für Seminare und Workshops. Gestartet wurde es im November 2020 durch die „Bildungsinitiative für benachteiligte Mädchen – Free Girls Movement“. Neben den drei Gründerinnen Montserrat Romero, Miriam Baghdady und Barbara Pöll ist auch Stefanie Grünewald Teil des Projektteams. Das Angebot ist vielfältig: Es gibt Brunchboxen, „OIS.IN.AN“-Boxen und die Möglichkeit, à la carte zu bestellen. Bei den Produkten wird auf Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit geachtet.
▶ Ois.in.an. Lerchenfelder Straße 60. Mo–So 9–19h, (Cov-19-Öffnungszeiten). +43 681 84680341, www.oisinan-vienna.com


Ausgabe 01/2021