Und das Licht scheint …

… in der Finsternis … (Joh 1,5). 

In den dunklen, besinnlichen Adventtagen freut man sich wieder auf das Länger- und Heller-Werden der Tage ab dem 21. Dezember. Schon in der Antike haben die Menschen die Wintersonnenwende gefeiert.

 

An den vier Adventsonntagen kann man in der Josefstadt je eine Kirche kennenlernen und Meisterwerke rund um das Weihnachtsfest entdecken – ideale Orte, um sich in der „stillen Zeit“ mit den tieferen Gedanken des hohen Festes auseinanderzusetzen. 

Weihnachten gilt in der westlichen Kirche als erster hoher Feiertag des Kirchenjahres und wurde in Rom etwa ab dem Jahr 350 am 25. Dezember gefeiert. An diesem Tag, der gemäß Julianischem Kalender damals die Wintersonnenwende markierte, wurde auch schon der römische Feiertag des „Sol invictus/dies natalis Invicti“ (Geburt des unbesiegbaren Sonnengottes) begangen. Dieser Umstand gilt als eine der überzeugendsten Thesen für die bewusste Wahl des 25. Dezember für das christliche Weihnachtsfest – Christus wurde metaphorisch oft mit der Sonne verglichen.

Für die Darstellung der Geburt Christi entwickelte sich bald eine vielfältige Ikonografie: So sind die wichtigsten Bildelemente das Jesuskind in der Krippe, Ochs und Esel, Maria, Josef und besonders die Hirten- und Weisenanbetung als Zeugen der Menschwerdung des Sohns Gottes. Der Chor der Engel begleitet fast immer das Geschehen. 

 

Alserkirche, Piaristenkirche

Erster Advent – Alserkirche

Die älteste Kirche des Bezirks, die frühbarocke Alserkirche (erbaut 1694–1704), kann gleich mit einem wahren Schatz aus dem ersten Drittel des 18.  Jahrhunderts aufwarten: ein Seitenaltar mit der Anbetung der Könige von Martino Altomonte, der wahrscheinlich schon zur Erstausstattung der Kirche zählte. Der 1657 in Neapel geborene Martin Hohenberg – er italienisierte seinen Namen – ist ab 1700 in Wien nachweisbar und gilt als wichtiger Vermittler italienischer und österreichischer Barockmalerei. 

Altomontes Epiphanie-Darstellung besticht sowohl durch ihre warmen Farben als auch durch eine effektvolle Lichtführung. Träger des sakralen Lichts ist das Jesuskind selbst, vom Himmel herab fällt ein Sternenstrahl, von Putti umrahmt, die orientalischen Weisen mit ihren Gabenträgern sind vom himmlischen Licht erleuchtet, nur die Balken des Stalls bilden eine dunkle Vorahnung in Form eines Kreuzes. Maria beugt sich schützend dazwischen und präsentiert das Kind den Weisen, Josef tritt in den Hintergrund. 

Zweiter Advent – Piaristenkirche

Die berühmteste Kirche im Bezirk ist die Piaristenkirche. Nur kurz nach der Alserkirche wurde 1716 mit dem Bau der beeindruckenden barocken Basilika begonnen, 1756 wurde er vollendet.

Schon beim Betreten der Kirche beeindruckt ihr ungewöhnliches Raumkonzept. Statt der üblichen Langhauskirche bildet hier ein spannender ovaler Zentralbau mit nach innen schwingenden Wänden zwei größere und vier kleinere Seitenkapellen aus, die alle vorzüglich ausgestattet wurden. Noch bevor man sich in die Seitenkapellen vertieft, sollte man seinen Blick zu den flachen Kuppeln mit den wunderbaren Fresken von Franz Anton Maulbertsch heben – ein Meisterwerk des österreichischen Spätbarock, das der damals 28-Jährige 1752/53 geschaffen hat. 

Mehr Freund als Schüler Maulbertschs war zeitlebens Felix Ivo Leicher, der im Stil von seinem Lehrer kaum zu unterscheiden ist. 1764 schuf er das große Seitenaltarbild des Freundschaft-Christi-Altars. Die Szenerie der heiligen Sippe – mit der Gottesmutter und dem Jesuskind, ihren Eltern Joachim und Anna, dem kleinen Johannes mit seinen Eltern Zacharias und Elisabeth und dem heiligen Josef – ist in ein idealisiertes antikes Gebäude gesetzt. Über allen auf einer Wolke schwebend der lichtspendende Gottvater und der Heilige Geist sowie das Lamm als Vorwegnahme des Osterwunders. Auf den Konsolen wenden sich die Ahnen Christi, Abraham mit Isaak und König David mit einem harfetragenden Knaben, dem Christuskind zu, beide von Johann Josef Rössler geschaffen. Die Tabernakeltür ziert ein Relief mit Moses vor dem brennenden Dornbusch – ein archetypischer Bezug zur Jungfräulichkeit Mariens: So wie der Dornbusch nicht verbrannte, blieb Maria unberührt.   

 

Dritter Advent – Altlerchenfelder Kirche

Auch wenn die Altlerchenfelder Pfarrkirche schon im 7. Bezirk liegt, so ist sie für alle in der Josefstadt von Bedeutung, findet doch jeden Freitag der Bauernmarkt vor ihren Portalen auf der Lerchenfelder Straße statt. 

Knapp 100 Jahre nach der Piaristenkirche wurde wieder ein Kirchenbau in Angriff genommen. 1853 wurde der Backsteinbau in neoromanisierender Formensprache vollendet, sodass mit der Ausschmückung der Kirche begonnen werden konnte. Nach dem Gesamtprogramm Joseph von Führichs entstand ein faszinierender Freskenzyklus – das bedeutendste Zeugnis der Nazarener in Wien. Diese romantisierend-religiöse Künstlergruppe, die sich u. a. auf Albrecht Dürer und Hans Holbein d. J. berief, revoltierte gegen den Klassizismus an der Wiener Kunstakademie. 

Meister wie Leopold Kupelwieser, Karl von Blaas oder Karl Mayer arbeiteten an dem Gesamtkunstwerk der Altlerchenfelder Kirche. Letzterer malte die Lebensgeschichte Christi im Mittelschiff. So folgt auf die Verkündigung die Geburt Christi, die wohl deutlich die idealisierende Schwärmerei der Nazarener bezeugt.

Vierter Advent – Breitenfelder Kirche

Die jüngste Kirche der Josefstadt wurde von 1887 bis 1894 am Uhlplatz errichtet. Der Ziegelrohbau im Stil der oberitalienischen Frührenaissance zeigt auch im hellen Inneren seinen historisierenden Renaissancestil. Am linken Seitenaltar findet sich die Darstellung der Geburt Christi, gemalt von Rudolf Bacher, einem Gründungsmitglied der Wiener Secession. Auch wenn auf den ersten Blick die Szenerie romantisch verklärt wirkt – das Jesuskind als alleinige Lichtquelle, Putti purzeln aus dem Gebälk, Maria und Josef als fürsorgliche Eltern, Ochs und Esel fehlen –, so nimmt Bacher doch schon im Duktus des Gewandes den beginnenden Wiener Jugendstil auf. Nicht der natürliche Fall der Falten, sondern die ornamentale Wirkung des Zusammenspiels von Gewand, Engelsflügel und Licht steht im Vordergrund.

 

 

Betrachtenswertes

Heiliger Antonius, bitte hilf!

Antonius von Padua ist einer der beliebtesten Heiligen und wird oft als Wiederbringer nicht nur von Gegenständen, sondern auch von Glaube, Liebe oder Hoffnung angerufen. 

Berühmt ist das Gnadenbild des heiligen Antonius mit Buch und Lilie in der Antoniuskapelle der Alserkirche. Schon 1630 wurde das aus Oberitalien stammende Bild den damals noch in der Minoritenkirche ansässigen Mönchen gestiftet. Als die Minoriten 1784 auf Geheiß Josephs II. die Trinitarier in der Alserkirche ablösten, nahmen sie das damals schon hochverehrte Bild mit und mit diesem auch bereits 400 Votivtafeln. Heute zeugen über 4.300 Tafeln in der Kapelle und dem Kreuzgang von der besonderen Verehrung des Heiligen, die bis heute anhält. Die Antoniuskapelle soll ein Ruhepol in der heutigen Hektik sein. Sie ist von der Früh bis zum Abend geöffnet und lädt zum Innehalten und zum Gebet ein.

▶ Pfarrkirche der Alservorstadt, Alser Straße 17 

 

Muttergottes von den frommen Schulen

Das Gnadenbild, eine Muttergottes mit dem Jesuskind, ist Mittelpunkt des Hochaltars in der Piaristenkirche. Seine Entstehung wird folgendermaßen überliefert: 1713 erkrankte der in der Josefstadt ansässige Maler Josef Herz zusammen mit seiner Frau an der Pest. Er gelobte, nach seiner Genesung nach Rom zu pilgern und dort eine Kopie des Bildes der ,,Muttergottes von den frommen Schulen“ in der Generalkurie der Piaristen, St. Dorothea, anzufertigen. Während seine Frau starb, genas er und konnte sein Gelübde erfüllen. Das Bild wurde vorerst in der heutigen Schmerzenskapelle zur Verehrung aufgestellt. Als Ziel zahlreicher Wallfahrten wurde es aber bald in die neue Kirche übertragen, deren Patrozinium seit 1721 nach diesem Bild auf ,,Maria Treu“ lautet.

▶ Piaristenpfarre „Maria Treu“, Piaristengasse 43

 

„Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“ (Lk 1,48)

Der Bibeltext (Lk 1,26–56) aus dem Lukasevangelium erzählt von Maria, die nach der Verkündigung die schwangere Elisabeth besuchte (Heimsuchung). Dieser Text mit dem Magnificat – die längste wörtliche Rede Marias – gehört zum Advent wie das Amen zum Gebet. 

Zu diesem Text malte 1858 Leopold Kupelwieser die sogenannte „Wiener Madonna“ mit Kahlenberg im Hintergrund in der Altlerchenfelder Kirche. Sein Bestreben war es, eine rein geistige, ideale Vorstellung im Bereich der Wirklichkeit (Kahlenberg) überzeugend auszudrücken. Das Gesamtkonzept der Fresken stammt von Joseph von Führich, Kupelwiesers Fresken sind aber Eigenkompositionen. Engelssturz, Weltgericht und der Zyklus der acht Seligkeiten in der Kuppel gehören zu den wichtigsten Werken der österreichischen Spätromantik. 

▶ Altlerchenfelder Pfarrkirche, Mentergasse 13

 

Von Heiligen und der Zahl 7

Nach der Zerstörung der Breitenfelder Kirche im Zweiten Weltkrieg wurden die Fensteröffnungen provisorisch mit einfarbigem Glas verschlossen. Rechtzeitig zur 60-Jahr-Feier 1958 konnten neue Kirchenfenster installiert werden, die – wie auch ihre Vorgänger – ausschließlich durch Spenden finanziert wurden. Die vom ungarischen Künstler Franz Deéd (1923–1983) geschaffenen Motivfenster wurden in Grisaille-Technik ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt.

Die Fenster des Kirchenschiffs zeigen Darstellungen von Heiligen, die Motivfenster des Querschiffs zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi und des heiligen Franz Xaver. Die drei Chorfenster haben ein theologisches Bildprogramm, das sich jeweils um die Zahl 7 dreht.

▶ Breitenfelder Kirche, Bennogasse 21. Info: https://bit.ly/3fedsg4