„Unsere Glücksgasse“

Seit 25 Jahren lebt Adi Hirschal mit seiner Frau Ela im achten Bezirk. Der Theatermacher und Sänger schätzt die Vorteile der „beschaulichen“ Josefstadt.

Von Elisabeth Hundstorfer

„Wir hatten das große Glück, per Zufall beim Bauprojekt der Familie Bösel in der Maria-Treu-Gasse einsteigen zu können. Seitdem ist diese Gasse unsere Glücksgasse“, erzählt Adi Hirschal begeistert. Er gehört mittlerweile zu den typischen Josefstädtern – wenn man sich in seiner Gasse wohlfühlt, bleibt man mit voller Überzeugung in seiner „Hood“. „Dieser Bezirk und im Speziellen mein Grätzl haben etwas Beruhigendes. Ich bin doch ein sehr aktiver, dynamischer Mensch und da tut mir die Gelassenheit der Josefstadt sehr gut“, so der Vollblutkünstler.

Derzeit hat Adi Hirschal einen vollen Kalender. Die Proben sind fast abgeschlossen, am 12. Juni geht es in Laxenburg los. Die Spielstätte könnte nicht schöner sein: Die Franzensburg, eine Anfang des 19. Jahrhunderts einer alten Ritterfestung nachempfundene Wasserburg im einmaligen Laxenburger Schlossgarten, ist ein Juwel. Adi Hirschal ist seit 2012 Intendant des Laxenburger Kultursommers und steht natürlich auch auf der Bühne. Als „Guru“ will er in der Verwechslungskomödie „Der Guru – oder Der Weg ins Shangri La La La!“ die Menschen bis 14. August jeden Samstag und Sonntag ab 16.30 Uhr mit Heiterkeit verzaubern.

© Sabine Hauswirth

Am 7. Juli hat dann „TARTUFFE oder Ich glaub’ was ich will !!!!….“ im Wiener Lustspielhaus am Hof Premiere. In dieser musikalischen Komödie von Franzobel frei nach Molière stehen der Gründer und musikalische Leiter Adi Hirschal und seine Tochter Maddalena erstmals gemeinsam als Vater und Tochter auf der Bühne. „Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Meine Tochter ist ein lebenslustiger Mensch und es macht sehr viel Spaß, gemeinsam mit ihr zu spielen.“ Vor 18 Jahren hat Adi Hirschal das Wiener Lustspielhaus gegründet. Autor Franzobel griff bereits zum siebten Mal in die Tasten, um eine berühmte Komödie ins Wienerische zu adaptieren. Parallelen mit heutigen Protagonisten aus Politik und Wirtschaft und dem Betrüger Tartuffe sowie der Leichtgläubigkeit der Gesellschaft, die er hinters Licht führt, werden diesen Sommer das Wiener Publikum amüsieren. Die Spielstätte, das Wiener Lustspielhaus, hat einen Hauch von romantisch-verklärendem Alt-Wien. „Natürlich nimmt man als Künstler Bezug auf die Gesellschaft, um diese widerzuspiegeln. Wir leben mit Krieg und Pandemie in einer labilen Weltlage und Gerechtigkeit ist aus der Mode gekommen. Die Komödie ist die nobelste Form der Gesellschaftskritik. In Wien wird die Komödie belächelt, aber sie hat die besten Stoffe der Welt – geschrieben von Meistern wie Molière, Shakespeare oder Goethe. Ich liebe den Kontakt zu den Menschen und ich liebe es, sie zu erheitern“, so Hirschal.

Dazu hat er im Sommer ausreichend Gelegenheit, denn insgesamt steht er 55 Mal auf der Theaterbühne: 20 Mal in Laxenburg und 35 Mal in Wien. Aber Hirschal ist nicht nur Schauspieler, er ist auch Sänger. Seine ersten Lehrjahre für die Bühne verbrachte er bei den Sängerknaben. „Das, was da angelegt wurde, muss raus.“ Seit immerhin 30 Jahren gibt er gemeinsam mit Wolfgang Böck regelmäßig „Strizzilieder“-Konzerte. Heuer wird das Jubiläum gefeiert, etwa am 20. Juli in Kobersdorf, wo Wolfgang Böck seit 2003 Intendant der Schloss-Spiele ist, oder am 27. Juli im Wiener Lustspielhaus.

Eingangsschild mit Beschriftung in altem Stil "Wiener Lustspielhaus"

© Sabine Hauswirth

Am 2. September gibt es zum Abschluss der Sommersaison noch eine CD-Präsentation. Hirschal ließ zwei Livemitschnitte mit seiner Band auf Tonträger bannen. Bereits vor vielen Jahren übersetzte er Lieder einiger seiner Lieblingsmusiker wie Tom Petty, Elvis Presley, Willy DeVille und Randy Newman ins Wienerische. Auf seiner neuen CD „Schuldig“ finden sie sich – stets mit einem Augenzwinkern interpretiert – wieder. „Der Blues drückt die Sehnsucht nach Liebe aus und auch die Traurigkeit muss ein Ventil haben. Der Blues hat etwas unglaublich Verbindendes. Er drückt die Bedürfnisse der einfachen Leute in den Vorstädten aus. Der Charakter einer Stadt geht nicht von den Innenstädten aus, die ohnedies – Stichwort Globalisierung – eine der anderen gleichen, sondern von den Vorstädten. Das Singen begleitet mich das ganze Leben“, so der West-Ost-Österreicher, wie sich Hirschal – geboren in Innsbruck, aufgewachsen in Linz und angekommen in der Josefstadt – gerne selbst bezeichnet.

Die wichtigste Zeit in seinem Leben waren seine Wanderjahre 1977 bis 1982. Keinen Fünfjahresplan in der Tasche, sondern planlos nahm er nach der Zeit am Burgtheater eine Pause von der Bühne. „Ich habe als Lkw-Fahrer, Messebauer und Straßenkünstler gearbeitet. Von Italien bis Berlin habe ich mich treiben lassen. Man hat sich damals noch nicht so viele Sorgen gemacht, alles war möglich! Diese Zeit war die Vorbereitung auf das, was kam und noch kommen wird. Ich habe in dieser Zeit auch meine Frau kennengelernt.“ Von der Liebe seines Lebens, Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten und beruflichen Stationen erzählt Hirschal in seiner in den Lockdown-Phasen entstandenen Biografie. Daraus wird er am 29. September auch in der Josefstadt lesen. Und wie es sich für ein Musiklokal wie den „Tunnel“ gehört, wird hier nicht nur gelesen, sondern auch musiziert. „Hans Litsauer vom Tunnel kenne ich schon länger, er hat mich anlässlich des 70. Jahrestags der Pogromnacht 2008 für einen Auftritt nach Buenos Aires eingeladen“, so Hirschal. Er erzählt von der unvorstellbaren Armut, die er in Argentinien gesehen hat, und stellt fest, wie glücklich wir sein können, in Wien zu leben – in seinem Fall noch dazu in seiner Glücksgasse.

adihirschal.at

2 Bilder; links Menschen sitzend und stehend in Gastgartensituation; rechts: je ein weibliches und ein männliches Beinpaar von Menschen, die auf Barhockern sitzen in Schwarz/Weiß

© Sabine Hauswirth

„Da stimmt was nicht“

Adi Hirschal erzählt in seiner Biografie von Wagnissen, Begegnungen, Schönem und Heiterem, Liebe, Sehnsucht und Schmerz: „Ich bin überrascht, dass alles wahr ist, was ich da träume …“

Biografische Eckpunkte: Geboren 1947 in Innsbruck. Aufgewachsen in Linz. Ausbildung zum Sängerknaben. Abschluss des Reinhardt-Seminars. Studium der Theaterwissenschaften. Engagements: u. a. Münchner Volkstheater, Staatstheater Stuttgart, Wiener Burgtheater, Akademietheater, Theater in der Josefstadt. TV: u. a. „Kaisermühlen-Blues“, „Kommissar Rex“ und „Der Bockerer“. Seit 2004 künstlerischer Leiter des von ihm begründeten Wiener Lustspielhauses. Seit 2011 Intendant des Laxenburger Kultursommers.

▶„Da stimmt was nicht“. Seifert Verlag, 2021. ISBN 978-3-904123-15-0

 

„Der Guru“

Schloss Laxenburg an der Grenze zu Wien ist besonders im Sommer einen Ausflug wert. Der Schlosspark Laxenburg, wo „Sisi und Franzl“ ihre Flitterwochen verbrachten, ist der größte und einer der bedeutendsten Landschaftsgärten Europas. Wunderbares Sommertheater kann man dort auf der romantischen Wasserburg, der Franzensburg, erleben! „Der Guru – Der Weg ins Shangri La La La!“ von Christian Deix und Olivier Lendl bezeichnet sich als „Ein Esoterical“: Im Zentrum für ganzheitliches Wohlbefinden im Wienerwald herrscht große Aufregung! Ein neuer geheimnisvoller Guru soll mit außergewöhnlichen Praktiken den ins Trudeln geratenen „Es-geht-uns-gut-Hof“ wieder in Schwung bringen.

▶ Mit Pia Baresch, Christian Deix, Michelle Härle, Adi Hirschal, Olivier Lendl und Angelika Niedetzky. Regie: Erhard Pauer. 12/06–14/08/2022, Sa+So 16.30h. www.schloss-laxenburg.at

 

Wiener Lustspielhaus

„TARTUFFE oder Ich glaub’ was ich will !!!!….“ ist eine musikalische Komödie von Franzobel frei nach Molière. „Ich glaube, was ich will, und nicht, was ich sehe“, sagt Umbert Umbeleckt, gutsituierter Wiener Privatier. Kein Wunder, dass er auf einen Blender wie Tartuffe hereinfällt, ihm die Tochter verspricht, sein Vermögen überschreibt und erst zur Besinnung kommt, als er seine Frau mit dem Heuchler erwischt. Die Neubearbeitung von Molières meistgespielter Komödie ist ein Stück über Leichtgläubigkeit, gültige Wahrheiten, kleine Lügen und große Lieben. Ein wunderbarer Spaß, der gelegentlich auch an so manche entzauberte österreichische Politiker erinnert.

▶ 07/07–03/09/2022, 20h. 1. Am Hof. wienerlustspielhaus.at

 

„Schuldig“

Adi Hirschal treibt sich herum auf den musikalischen Schauplätzen der 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Mit seinem Musikprogramm „Samtorchester“ forscht er nach seinen musikalischen Vorlieben in einer Zeit, bevor er sich auf die uns bekannte Weise dem Wienerlied gewidmet hat. Die liebevoll zusammengestellte CD „Schuldig“ bietet Live-Mitschnitte aus den Interspot-Studios, die noch vor der Pandemie entstanden sind. Hirschal hat Texte von Tom Petty, Elvis Presley, Willy DeVille und Randy Newman ins Wienerische übersetzt und mit seiner Band (Keyboards: Dieter Kolbeck, Schlagzeug: Lennie Dickson, E-Bass: Arnulf Lindner, Guitars: Hardy Kamm) für die Bühne arrangiert.

▶ CD-Präsentation: 02/09/2022. Wiener Lustspielhaus