Vom Theater zum Lichtspiel

 

Das Bezirksmuseum zeigt eine eindrucksvolle Schau, Die genau den Nerv der Josefstadt trifft: „Kino, Theater, Varieté“.

Auf Schritt und Tritt begegnet man in der Josefstadt dem Theater, ob man nun Schauspielern persönlich über den Weg läuft oder Gedenktafeln an Hauswänden sieht. Sogar Wohnbauten sind nach großen Bühnenstars benannt, etwa der Oskar-Werner-Hof oder der Maxi- Böhm-Hof – beiden Publikumslieblingen war die Josefstadt lange Heimat.

Wiener Stadttheater

Eines der schönsten Theater Wiens fiel in den 1960er-Jahren leider dem großen Wiener Theatersterben zum Opfer und wurde abgerissen: Das Wiener Stadttheater an der Ecke Laudongasse/ Skodagasse wurde 1913/14 vom jüdischen Theaterarchitekten Oskar Kaufmann erbaut und war lange Zeit eine beliebte Operettenbühne. Nach dem Zweiten Weltkrieg erblühte es kurz – man spielte den „Zarewitsch“ mit Johannes Heesters, „Gruß und Kuss aus der Wachau“ mit Fritz Imhoff, Heinz Conrads, Friedl Loor und Fritz Muliar, und 1949 fand unter der Regie von Hubert Marischka die Uraufführung der Robert-Stolz-Operette „Frühling im Prater“ mit Heinz Conrads und Peter Alexander statt. Ab 1969 fand im neu errichteten, sehr schmucklosen Gebäude das Haus des Buches seine Heimat; seit 2004 befindet sich hier die Zentrale der Musikschulen der Stadt Wien.

Ein Stück Theater- und Filmgeschichte

Die Josefstädter Bevölkerung ist stolz auf ihr „Theater in der Josefstadt“ und sein Ensemble, das auch regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen ist. Es ist ein Stück Wiener Theatergeschichte – immerhin ist die Josefstadt mit über 230 Jahren das älteste Schauspielhaus Wiens. Einen der größten Einschnitte erlebte es in den 1930-Jahren: Nicht nur Max Reinhardt, der das Theater 1923 umbauen ließ, ging nach Amerika. Auch Schauspiellieblinge wie Peter Lorre, Hedy Lamarr oder Leon Askin emigrierten und landeten beim amerikanischen Film. Starregisseur Fritz Lang, der von 1909 bis 1919 im Achten (Zeltgasse 1) gelebt hatte, emigrierte ebenfalls in die USA.

Sogar die Geschichte des Wiener Kinos beginnt im Theater in der Josefstadt. Am 14. Jänner 1847 führte der Zauberkünstler Ludwig Döbler im Josefstädter Theater erstmals „bewegliche Zauberbilder“ vor, die „ohne Einfluss der Mechanik, bloß mit Hülfe des Lichtes in’s Leben gerufen“ wurden. Er hatte in England Vorführungen von optischen Bildern kennengelernt. Damals beschäftigte sich der österreichische Offizier Franz von Uchatius damit, die von Simon Stampfer erfundene „stroboskopische Scheibe“ mit der Laterna magica zu verbinden. Döbler erwarb den Apparat und konstruierte ihn um.

Einst beherbergte die Josefstadt rund zehn Kinos. Das letzte Kino im Bezirk wurde 1990 geschlossen. Das Josefstädter Vitascop (Josefstädter Straße 75) wurde 1908 gegründet und 1927 in Albertkino umbenannt. Anfang der 1990er wurde es nach Plänen von Boris Podrecca zu einer Filiale der Erste Bank umgebaut. In die Filiale wurden Elemente des ehemaligen Kinos übernommen. Die Schau im Bezirksmuseum widmet der Josefstädter Kino-Geschichte einen eigenen Abschnitt.

Hollywood und die Josefstadt

Eine bewegte Geschichte hat auch das Haus in der Josefsgasse 12. 1906 als „Lehrerhaus“ eröffnet, sollte der Theatersaal Geld für notleidende Lehrer lukrieren. Im Laufe der Jahre wurde der Saal von unterschiedlichen Theaterensembles bespielt.

Seit 1974 ist der Josefsaal die Heimstätte des „Vienna’s English Theatre“. Es ist das älteste englischsprachige Theater am europäischen Kontinent – hier standen und stehen immer wieder Größen mit Weltruf für Gastspiele auf der Bühne, von Joan Fontaine, Anthony Quinn, Horst Buchholz und Gracia Patricia von Monaco 4 über Linda Gray, Larry Hagman, Anna Neagle und Shioban McKenna zu Leslie Nielsen, Judi Dench und Benedict Cumberbatch.

Die Kino- und Theater-Schätze, wie ein Souffleusenbuch aus dem Jahr 1890, sind im Bezirksmuseum jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr und am Sonntag von 10 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen.

Laientheatergruppen …

Das Bezirksmuseum Josefstadt und sein ehrenamtlich tätiges Museumsteam unter der Leitung von Maria Ettl möchte der Ausstellung Leben einhauchen und ruft deshalb alle Josefstädter Laientheater dazu auf, ab Herbst eine Vorstellung im Festsaal des Bezirksmuseums zu geben. Und alle, die Erinnerungen an die „gute alte Theater- und Kinozeit“ im Achten haben, finden im Bezirksmuseum Josefstadt ebenfalls kompetente Ansprechpartner.

▶ Bis 31/01/2021: „Kino, Theater und Varieté“ Bezirksmuseum, Schmidgasse 18