Wie das Licht in die Josefstadt kam

Weihnachtsbeleuchtung und Schaufenster strahlen erneut in hellem Glanz. Doch der Weg zur stimmungsvoll beleuchteten Großstadt war ein langer.

Von Sandra Schäfer

Über lange Zeit dominierten auf dem Gebiet der heutigen Josefstadt Äcker und Felder. Wurde es dunkel, waren Mond und Sterne die einzigen Lichtquellen, die zu sehen waren. In den wenigen ersten Häusern brannten Kienspäne. Oftmals wurden auch Schalen mit Unschlitt (tierisches Fett) verwendet, in die ein Docht gelegt wurde. Die, die es sich leisten konnten, griffen zu Kerzen. Wollte oder musste man in die Dunkelheit hinaus, wurden Fackeln oder Laternen mitgeführt. Damit unterschied sich die Situation kaum von anderen Städten und Ortschaften sowie den Jahrhunderten zuvor. Doch spätestens Ende des 18. Jahrhunderts begann sich die lichttechnische Lage auch in der Josefstadt zu verändern.

Die erste öffentliche Beleuchtung

Bereits 1688 war es Graf Johann Quintin Jörger gelungen, in der Dorotheergasse die erste öffentliche Beleuchtung für Wien zu installieren. Für die Befüllung und das Anzünden mussten bis zur Einführung besoldeter Lampenanzünder 1777 die Hausbesitzer sorgen. Unter dem damaligen Illuminationsanstaltsdirektor Josef von Sonnenfels und ab 1783 unter dem Stadtmagistrat begann sich die öffentliche Beleuchtung auf das an die Stadtmauer anschließende Glacis sowie, zunächst auf die Hauptstraßen beschränkt, auch in die Vorstädte auszudehnen. Für das Jahr 1826 liest man von 75 Laternen, die für die heute zur Josefstadt zählende Ortschaft Breitenfeld angeschafft wurden. Eine Zeit, in der sich bereits das Gaslicht aufmachte, das Antlitz der Städte zu verändern. Auch in Wien waren im Jahr 1818 in der Inneren Stadt die ersten 25 Gaslaternen aufgestellt worden.

Ein Apotheker schreibt Geschichte

Gelegenheit, das helle, mit Gas erzeugte Licht zu bewundern, hatten die Wiener allerdings schon zuvor. Der Apotheker Josef Moser erregte 1816 Aufsehen, als er die Auslage seiner Apotheke „Zum Goldenen Löwen“ mit aus Erzharz gewonnenem Gas beleuchtete. Dass selbst Kaiser Franz II./I. in die Kaiser-Straße 132 (heute Josefstädter Straße 25) zum Lichtschauen kam, wird noch heute gerne erzählt. Weniger weit verbreitet ist, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem Theater in der Josefstadt ein weiterer Vorreiter der Gasbeleuchtung befindet. Bereits 1836 (acht Jahre, bevor die englische „Imperial-Continental-Gas-Association“ die Stadt großflächig versorgte) konnte man in den Sträußelsälen im Lichte der Gasbeleuchtung feiern. Rund 40 Jahre später hatte das gesellige Beisammensein allerdings ein vorübergehendes Ende. Das Theater war außerstande, die neuen Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen, die nach dem – durch eine Gasexplosion ausgelösten – Ringtheaterbrand eingeführt wurden. Zeitgleich bekam das Gaslicht ab den 1880er-Jahren, als Thomas Alva Edison sich aufmachte, die Glühbirne zu vermarkten, einen ernsthaften Konkurrenten. Es ist dem österreichischen Ingenieur Auer von Welsbach und seiner Erfindung des Gasglühlichts zu verdanken, dass die Beleuchtung mit Gas international einen letzten Aufschwung erlebte. Auch hier findet sich übrigens ein Bezug zur Josefstadt: Der Erfinder besuchte das Löwenburgkonvikt in der Piaristengasse, bevor er 1877 in der Josefstädter Realschule maturierte.

Collage aus 2 Bildern - ein Modell einer Kirche und ein Schriftstück

Die fünf Meter hohe „Sternstele“ erinnert an die zerstörte Synagoge in der Neudeggergasse. © Sandra Schäfer

Vielfältiges Lichtdesign

Letztendlich war der Siegeszug der (ebenfalls von Welsbach verbesserten) Glühbirne jedoch nicht mehr aufzuhalten. Drehte sich jahrzehntelang im öffentlichen Raum alles um ein Mehr an Licht, so setzt man heute dank verbesserter Möglichkeiten vielmehr auf ausgeklügeltes Lichtdesign. Moderne Parkanlagenbeleuchtung soll – bei gleichzeitiger Berücksichtigung ökologischer Faktoren – auch in der Nacht Sicherheit vermitteln, während die Beleuchtung lokaler Identifikationszeichen auf das kulturelle Erbe im Grätzel verweisen und Orientierung schaffen soll. Längst hat zudem die Kunst das Spiel mit dem Licht entdeckt. Lichtinstallationen wie „369 Wochen“ von Eva Schlegel am Landesgericht und der von Lukas Maria Kaufmann gestaltete Davidstern in der Neudeggergasse beleuchten die finsteren Zeiten während des Nationalsozialismus. Dieser sorgte mit großflächigen Verdunkelungsmaßnahmen und einem zu Kriegsende 1945 in Trümmern liegenden öffentlichen Beleuchtungssystem auch buchstäblich für Dunkelheit, bevor in den 1950er-Jahren das Licht wieder verstärkt in die Stadt zurückzukehren begann.


Ausgabe 04/2021