Willkommen im Raufschaumuseum

Der Eintritt ist frei und es hat keinen Ruhetag …

Text Markus Egger, Fotos Jennifer Fetz

Magdalena Hiller hat sich immer schon für die, wie sie sagt, „schräge 50er-Jahre-Ästhetik“ interessiert.

Gemeinsam mit ihrem guten Freund Gabriel Roland hat sie im Frühjahr 2020 online auf der Social-Media-Plattform Instagram das „Raufschaumuseum“ gegründet. Dieser Account zeigt Bilder und Fotos von Kunstwerken, Mosaiken und Sgraffiti, die zwischen 1919 und 1989 entstanden sind, aus Wien, Österreich, der ganzen Welt – und natürlich auch aus dem Gemeindebau. Der Account erfreut sich seither großer Beliebtheit und hat sich eine stetig wachsende Community aufgebaut, die fleißig

Bilder von Kunstwerken veröffentlicht, die wiederum in Insta-Storys und Posts geteilt werden.

Die beiden KuratorInnen sind in Wien aufgewachsen und haben sich schon seit Jahren gegenseitig Bilder von Mosaiken auf ihre Mobiltelefone zugeschickt. Da war es für sie nur logisch, ihre Vorliebe für Kunst mit dem Launch der Website und des Insta­gram-Accounts auf die nächste Ebene zu heben. Ziel des virtuellen Museums ist es, zur Wertschätzung baugebundener Kunstwerke beizutragen, nicht zuletzt, um die Zerstörung der Fassadengestaltungen – etwa im Laufe baulicher Maßnahmen – zu verhindern.

Gabriel Roland und Magdalena Hiller gründeten gemeinsam auf der Social-Media-Plattform Instagram das „Raufschaumuseum“

Raufschauen und Kunst entdecken

In der Lange Gasse an der Ecke zur Zeltgasse im 8. Gemeindebezirk befindet sich der Maria-Franc-Hof, auf seiner Fassade prangt das Mosaik „Die drei Eulen“ des Grafikers Josef Seger. Ein klassisches Motiv für RaufschauerInnen, weiß Magdalena Hiller: „Es ist auch so gemütlich hier, weil das so ein Durchgangshaus ist, ich wohne ja auch im Achten und bin schon oft hier vorbeigegangen und habe die Eulen bewundert.“ – „Wir haben diese Eulen auch schon oft zugeschickt bekommen, das liegt zum einen daran, dass sie leicht zugänglich sind, und auch daran, dass sie sehr lieb sind. Sie sind nicht das komplexeste Kunstwerk der Welt, aber es sagt einfach viel darüber aus, was in den 1950ern und 1960ern in Wien los war“, ergänzt Gabriel Roland.

Schmetterlinge in der  Neudeggergasse

Von der Zeltgasse gehen die zwei RaufschauerInnen in die nahe

gelegene Neudeggergasse zum nächsten Gemeindebau. Über der Hofeinfahrt des Hauses Nummer 12 befindet sich die 1955/56 von Josef Tschofenig gestaltete Marmoreinlegearbeit „Schmetterlinge“. „Da wäre ich auch nie drauf gekommen, dass es Schmetterlinge sind“, meint Magdalena Hiller. „Der Künstler hat eine Namensgleichheit mit einem Kärntner Kommunisten und Widerstandskämpfer, deshalb fällt es uns schwer, zusätzliche Informationen über ihn zu finden – zumal es nach unserem Wissensstand Tschofenigs einziges baugebundenes Kunstwerk in Wien ist“, ergänzt ihr Kollege. „Wir sind viel mit Google Street View abgegangen und dabei sieht man schon sehr viele Mosaike“, so die studierte Juristin Magdalena Hiller.

Content für den Account des Raufschaumuseums gibt es an jeder Ecke. Aber nicht nur in Wien. Im Sommer sind die Einsendungen nicht mehr aus Wien gekommen, sondern aus den Bundesländern, da ein Großteil der Community in Österreich auf Urlaub war. „Es gibt Referenzen der Community, es wird das Figürliche bevorzugt. Das sieht man halt, wenn man die Likes zählt“, analysiert Gabriel Roland.

Content kommt  aus der Community

„Die Anna, ein Fan von uns, steigt sogar aus der U-Bahn aus und fotografiert dann was für uns, weil sie das von der U-Bahn aus gesehen hat.“ – „Oder die Marion, die extra mit dem Auto ganz Wien abfährt“, rühmen die beiden Kuratoren ihre Community.

Die letzte Station für heute ist der Albertplatz, ebenfalls in der Josefstadt, aber schon nahe dem 9. Bezirk. „Wir gehen selbst mit der gleichen Neugier und dem gleichen laienhaften Wissen an das Thema heran, das macht die ganze Geschichte für die Userinnen und User sehr zugänglich“, erläutert Gabriel Roland. Seine Kollegin schaut auf die Fassade des Gemeindebaus am Albertplatz:

„Der Albert von Sachsen-Teschen war mit der Lieblingstochter von Maria Theresia verheiratet. Sie hatte die Idee, eine Wasserleitung zu bauen. Nach ihrem Tod hat er diesen Plan in die Tat umgesetzt und sie hat Albertinische Wasserleitung geheißen. Das war ein Vorläufer der Hochquellwasserleitung.“

Das Hinauffotografieren verbindet die beiden Gründer des Raufschaumuseums und ihre Fans, so Gabriel Roland: „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch, wenn man fotografiert. Du hast die Kamera in der Hand und machst ein Foto. Es geht wer vorbei und fragt: ,Was machst du da?‘, und ich sage: ,Na, ich mach ein Foto von dem Kunstwerk – ist das nicht faszinierend?‘ Und dann erwidern die Leute: ,Ah ja, das ist mir bisher noch nie aufgefallen.‘ Und das ist auch das Schöne daran!“

▶        raufschaumuseum.at

▶        instagram.com/raufschaumuseum

Der Artikel ist bereits in der Mitarbeiter*innenzeitung „hauspost“ von Wiener Wohnen erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung von Wiener Wohnen abgedruckt.


Ausgabe 01/2021